Tuesday, January 12, 2010

Models statt neuer Modelle

Der erste Eindruck von der Autoshow: Die Amerikaner können plötzlich Kleinwagen! Ford gibt furchtbar damit an, dass schon 4000 Vorbestellungen für den Fiesta vorliegen. Und ElektroautosModel am Chrysler-Stand auf der Detroiter Autoshow © Cornelia Schaible sind ein Muss, auch wenn noch kein Mensch weiß, wer die eigentlich kaufen soll. Außerdem:

1. Der Glamour ist zurück. Das ist gut. Es muss nicht jeder Messestand aussehen wie der von Kia.
2. Man hört viel Italienisch. Noch besser. Und: der Chrysler-Stand hat mehr Stil, seit „Fiat“ drüber steht.
3. Und das Beste: Für die Medienleute gab es wieder etwas zu essen und – vor allem – zu trinken. Wer will schon auf der Autoshow verdursten.

Alles in allem lässt das nur einen Schluss zu: Es geht wieder aufwärts!

Allerdings: Es sind nur wenige neue Modelle zu sehen, dafür eine ganze Menge Models. Die Frau mit der attraktiven Heckseite stand neben einem Chrysler – mehr Information wurde dazu nicht gereicht. Erst zuhause habe ich erfahren, dass es sich in Wirklichkeit um einen Lancia Delta handelt.

Platz war allerdings immer noch genug da, nach dem drastischen Markensterben von GM. Deswegen gibt’s auch wieder Testfahrten mit Hybrid- und Elektroautos im frühlingshaft begrünten Untergeschoss von Cobo Hall; EcoXperience nennt sich das Ganze.

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    Thursday, January 7, 2010

    Ein bombiges Jahrzehnt

    Im Jahr 2000 wollte al-Quaida eine Bombe auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt zünden. Rechtzeitige Festnahmen verhinderten den Anschlag; Einzelheiten erfuhr man allerdings erst viel später. Ich war im Advent 2000 in Straßburg und habe mir das daher gemerkt. Viele andere Anschläge wurden ebenfalls vereitelt, und die Öffentlichkeit hat sie längst vergessen. Bei einigen waren offenbar terroristische Anfänger am Werk – wie etwa der verhinderte Unterhosenbomber im Flieger nach Detroit. Insofern endete das Jahrzehnt, wie es begonnen hatte. Das waren also die Nullerjahre.

    Andererseits: Nicht alles, was schiefgehen konnte, ging auch wirklich schief. Und ich bin der festen Überzeugung, dass al-Quaidas Fixierung auf Flugzeuge ein günstiger Umstand ist. Die vielen Vorschriften und Kontrollen sind eben nicht nur eine Schikane für Flugreisende, sondern machen auch die Bastelanleitungen für Bomben verdammt kompliziert. Dann geht so ein Attentat schnell in die Hose. In jedem Fall.

    Oder wie es Jon Stewart in seiner „Daily Show“ vom 4. Januar formulierte: „Selbst wenn die Bombe funktioniert, wird es 72 sehr enttäuschte Jungfrauen geben.“


    Friday, January 1, 2010

    Farewell to 2009

    „I personally think Obama has been doing a good job, all things considered. The economy is still depressing, but that’s an improvement over mind-bendingly terrifying. The rest of the world likes us better, and whenever the president goes overseas he seems to be able to nudge the other countries toward a little progress on some issue on which they had been hopelessly stuck.

    And health care reform. Extremely big deal. Really could pass. Eventually.

    No matter how difficult the issue, Obama has been sensible, deliberative. Just look at Dick Cheney swooping around like a dementor from Harry Potter, and you have to appreciate how much things have improved.

    But Lord, is it good to bid farewell to 2009.

    And imagine how Obama must feel. Every problem is a long, grueling slog. Even in the last minutes of the year, he was stuck trying to get out of the hole that Homeland Security Secretary Janet Napolitano had dug when she used the fatal phrase ,the system worked‘ after the failed plane bombing in Detroit.“

    Kolumnistin GAIL COLLINS am 30. Dezember in der Online-Ausgabe der „New York Times“.



    Thursday, December 24, 2009

    Christmas Cookie nach deutschem Rezept

    Viele Einwanderer kamen mit leeren Taschen nach Amerika – sie brachten vor allem ihre Arbeitskraft mit, um im Land der vielen Versprechungen ihr Glück zu machen. Was sie auch dabei hatten, waren Rezepte. In vielen deutschen, italienischen oder polnischen Restaurants wird bis heute nach alten Familienrezepten gekocht. Manche Immigranten hatten handgeschriebene Kochbücher – oder eher Rezeptsammlungen – dabei, oder sie hatten die Rezepte im Kopf undChristmas Cookie nach deutschem Rezept © Cornelia Schaible gaben sie mündlich weiter. Viele wurden dann später aufgeschrieben: Man findet solche Rezepte oft in privat herausgegebenen, einfachen Kochbüchlein, wie sie viele Kirchengemeinden als Fundraiser zusammenstellen.

    Bekanntlich haben sich europäische – und speziell deutsche – Einwanderer in den USA immer schnell assimiliert, und das betrifft nicht zuletzt das Essen. Allenfalls bei den Mennoniten und Amischen wird noch gekocht wie anno dazumal. Manchmal werden die Gerichte nach alten Familienrezepten als Beilagen zum Thanksgiving-Truthahn aufgetischt – eine meiner früheren Studentinnen erzählte mir einmal, dass ihre italienische Großmutter vor dem Festtag immer eine Ladung Ravioli zubereite.

    Was sich in der neuen Heimat grundsätzlich besser gehalten hat, sind Backrezepte – Kuchen und Kleingebäck sind oft Teil der Familientradition, vor allem zu Feiertag. Viele Christmas Cookies in den USA sehen deutschen Weihnachtsplätzchen verblüffend ähnlich. Manchmal ist allerdings die Dekoration etwas amerikanisch geraten wie beim Plätzchen auf dem Foto. Es handelt sich um ein saisonales Gebäck aus Linzerteig, das eine Studentin für ihr Abschlussprojekt im Herbstsemester backte. Sie buchstabierte es im Übrigen „Linserteig“, was nicht die übliche Schreibweise zu sein scheint; im Internet findet sich die eher plausible Schreibweise mit „z“.

    Linzerteig ist ein Buttermürbeteig mit Mandeln, und es scheint sich um ein donauschwäbisches Plätzchenrezept zu handeln. Was nichts anderes heißt, als dass dieses Rezept schon öfters mit ausgewandert ist.



    Thursday, December 17, 2009

    Leise rieseln die Nadeln vom Baum

    Kürzlich erzählte mir eine Freundin am Telefon: „Wir haben jetzt endlich auch einen Christbaum!“ Das war am 10. Dezember, wenn ich mich recht erinnere. Hoffentlich hältPT Cruiser im Rudy-The-Reindeer-Look © Franz Gingl die Tanne durch. Im vergangenen Jahr nadelte der Baum nämlich schon ein bisschen, als die Geschenke darunter lagen.

    Aber so ist es eben mit Weihnachten in den USA: Wochenlang kann man es kaum erwarten, und ehe man sich’s versieht, ist das Fest auch schon vorbei. Zum Glück fällt in diesem Jahr der 26. Dezember auf einen Samstag – das gibt einem die Illusion eines zweiten Weihnachtstages.

    Bis dahin sollte man die Zeit einfach genießen und rote Rudy-Nasen im Straßenverkehr zählen. Ein paar deutsche Lebkuchen haben wir auch schon gehortet. Fruit Cake kommt mir keiner mehr ins Haus. Was wir an Weihnachten essen? Nun, den Rest vom Schützenfest – ich meine natürlich, von Thanksgiving. Die Putenbrust liegt fertig zum Aufwärmen im Gefrierfach, ein Rest Soße ist auch noch da, und dazu gibt’s dann voraussichtlich Rotkohl und Spätzle. Merry Christmas!

    Mehr zum Thema auf suite101: Amerikanische Weihnachten in der Familie