Tuesday, August 14, 2012

Fotos von meiner Festplatte – In Ruhe Zeitung lesen

Newspaper Reader © Cornelia Schaible
Der Alte mit dem Hütchen, der so schelmisch hinter seiner Zeitung hervorgrinst, fiel mir im vergangenen Jahr bei der Woodward Dream Cruise auf. Er saß unter den Zuschauern am Straßenrand, und während die anderen nach interessanten Autos Ausschau hielten, hatte er nichts Besseres zu tun, als das Blatt über die Cruise vom Vortag zu lesen. Die Szene fiel mir merkwürdigerweise ein paar Mal wieder ein – vor allem dann, wenn ich lesen musste, dass wieder einmal eine Zeitung ihr Erscheinen eingestellt hatte. Was immer dazu führte, dass ich mich selbst ein bisschen schuldig fühlte: Schließlich las ich die Meldung online. Da nun am Wochenende wieder eine Dream Cruise ansteht (meine zehnte), beschloss ich, das Foto endlich zu veröffentlichen. Ich denke, dass man es kaum schöner illustrieren kann, was das heißt: in Ruhe Zeitung lesen. Während das Leben in Wirklichkeit weiterhin an einem vorbeibraust, gibt einem dieses Medium die schöne Illusion, dass die Ereignisse wenigstens vorübergehend zum Stillstand gekommen sind. Das Wichtigste steht in der Zeitung. Die Lektüre des druckfrischen Blattes gibt den Geschehnissen Raum und Zeit, sich zu entfalten. Sicher – auch die jungfräulichste Zeitung sieht schnell alt und zerlesen aus, und am nächsten Tag wickelt man Kohlköpfe darin ein. Aber es ist doch ein ganz anderer Umgang mit Information, als ständig den Refresh-Button der Online-Nachrichten zu klicken.

Sunday, August 12, 2012

The America that Paul Ryan Envisions

„Many millions of working-age Americans would lose health insurance. Senior citizens would anguish over whether to pay their rent or their medical bills, in a way they haven’t since the 1960s. Government would be so starved of resources that, by 2050, it wouldn’t have enough money for core functions like food inspections and highway maintenance. And the richest Americans would get a huge tax cut.

This is the America that Paul Ryan envisions. And now we know that it is the America Mitt Romney envisions.“

JONATHAN COHN von „The New Republic“ zu Mitt Romneys gestriger Entscheidung, den Kongressabgeordneten und Tea-Party-Liebling Paul Ryan zum republikanischen Vizekandidaten zu machen.

Thursday, August 2, 2012

Fischgeschichten

Wie kommt man zu Haustieren? Ganz einfach: Man kauft sich ein Haus. In unserem Fall war das eine Eigentumswohnung, und zu der gehörten ein Dutzend Fische. Nein, die Vorbesitzer hatten uns kein Aquarium hinterlassen – das gehörte nicht zum Überraschungspaket, mit dem der Kauf eines schon etwas älteren Condominiums am besten beschrieben werden kann. Der Uralt-Kühlschrank in der Garage, der irre viel Strom verbrauchte und vor allem die Umgebung heizte, gehörte eindeutig zu den weniger angenehmen Hinterlassenschaften, aber wir sind das Garagenmonster dann schnell losgeworden. Die Fischlein übernahmen wir hingegen gerne, und da war sogar noch eine Dose Fischfutter, die beim Einzug in einem der – ansonsten ausgeräumten – Küchenschränke stand.

Die Fische selbst schwammen bei unserem Einzug munter in ihrem Teich und warteten darauf, dass sie endlich wieder jemand fütterte. Nun, Teich ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt: Bei dem Biotop gleich neben unserer Haustür handelt es sich um einen mit Teichfolie ausgelegten Tümpel im Miniaturformat. Da trifft es sich gut, dass es sich bei den Bewohnern um eine Goldfischvariante im Zwergenformat handelt – die sind zum Glück sehr genügsam. Immerhin besitzt die Pfütze einen munter sprudelnden Springbrunnen, was seine Wirkung auf Besucher nicht verfehlt. Ich beobachtete einmal den Päckchenmann, der nach dem Ablegen seiner Lieferung einen Moment lang vor dem Teich stehenblieb und die Wasserspiele verwundert betrachtete.

Springbrunnen hin oder her – die kleine Pumpe mit einem Schwamm am Einzugsrohr mag das Wasser etwas sauerstoffreicher machen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Fische immer in derselben Brühe schwimmen müssen. Neuerdings sammeln wir immer Regenwasser, und in Trockenzeiten verdünnen wir die Fischsuppe regelmäßig, aber im vorigen Herbst waren wir noch nicht so schlau. Als der Wasserstand nach etlichen warmenHerbsttagen bedrohlich abgefallen war, füllte ich einfach mit Leitungswasser nach. Das war ein Fehler, wie sich schnell herausstellte: Unser Leitungswasser ist ziemlich stark gechlort. Am nächsten Tag schwamm einer der Fische kieloben. Und ich hatte ein tierisch schlechtes Gewissen.

Solche Dinge passieren, wenn man überraschend zum Haustierbesitzer wird. Wir büßten später noch einen weiteren Fisch ein, aber diesmal richtete sich der Verdacht gegen die verwilderten Katzen, die unserem Fischteich gelegentlich einen Besuch abstatteten: Bei ihm fehlte nämlich schon ein Stück, als ich ihn aus dem Wasser entfernte. Die anderen Fische hingegen gediehen prächtig, und mit dem herannahenden Winter stellte sich die Frage: Was tun?

Meine Recherchen ergaben schnell, dass man Gartenfische nicht einfach in ein Aquarium verpflanzen kann – wie gesagt, wir hatten auch gar keins. Dass Goldfische genügsam sind, wussten wir inzwischen schon. Ist der Teich tief genug, können sie theoretisch sogar im Freien überwintern, aber in unserem Fall war das natürlich ausgeschlossen: So eine Pfütze ist ganz schnell komplett gefroren, Fische inklusive. Ich hatte die Vorbesitzerin übrigens noch gefragt, wie man diese Sorte Fische überwintert. Worauf sie erst ein bisschen verlegen wurde und dann sinngemäß antwortete: „Wissen Sie, die kosten ja nur ein paar Cents... Sie fangen einfach im Frühjahr wieder von vorne an.“ FISCHSTÄBCHEN? Also, das kam überhaupt nicht in Frage. Wenigsten wollten wir es auf einen Versuch ankommen lassen.

Am ehesten, so überlegten wir, ließen sich die Fische wohl in der Garage über den Winter bringen. Nachdem wir kein Garagenmonster mehr besaßen, hatten wir auch noch ein bisschen Platz übrig, und so fuhren wir in den Supermarkt und kauften eine große Plastikwanne. Mein Mann fischte die Fische mit einem löchrigen Kescher, der sich bei den Fischutensilien befunden hatte, einzeln aus dem Teich, und dann kamen sie mit einer ausreichenden Menge Fischwasser in die Wanne. Ein kleine Pumpe wurde auch noch erstanden, mittels Saugnapf an einem Stein befestigt und in der Wanne versenkt. Wir schlossen den Goldfisch-Whirlpool an die Steckdose in der Garage an, und das Ganze fing fröhlich an zu sprudeln. Dann fuhren wir für ein paar Tage nach Florida.

Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, waren zu unserer Überraschung alle noch am Leben. Wenn man mit der Taschenlampe in die Wanne leuchtete, konnte man sie sehen – sie hatten sich in eine Ecke verzogen und schienen zu schlafen. Das taten sie auch weiterhin; insgesamt dümpelten sie an die vier Monate in ihrer Wanne. Zu fressen bekamen sie nur etwas, wenn es zwischendurch aufwärmte und sie aktiv wurden. In den ersten Frühjahrstagen kippten wir die inzwischen ziemlich trübe Brühe wieder in den Teich zurück. Und nicht nur das: Wir kauften ein Tongefäß mit seitlichen Löchern, wie man es für Gewürzpflanzen benutzt, und legten es so in den Teich, dass die Fische rein- und rausschwimmen können. Das taten sie schon nach wenigen Minuten. Ich weiß nicht, ob Fische begeistert sein können, aber irgendwie wirkten sie so. Auch Fische brauchen eine Eigentumswohnung.

Inzwischen sind ein paar Monate vergangen, wir haben uns an die neue Wohnung gewöhnt, und die Fische fressen uns aus der Hand. Sie müssen nun auch nicht mehr befürchten, als tiefgefrorene Fischstäbchen zu enden.

In der Garage riecht es allerdings immer noch leicht fischig. Daran wird wohl nichts mehr zu ändern sein.
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