Wednesday, July 20, 2011

Java Joe's Café, St. Ignace MI

Der Übernachtungspreis der meisten Hotels in St. Ignace schließt zwar ein continental breakfast mit ein – aber es ist stets von der Sorte, bei der mein Mann immer fragt, wo dieser Kontinent wohl liegt. Egal. Denn in fußläufiger Entfernung der Hotels mit dem besten Mackinac-Island-Blick steht „Java Joe’s Café“. Obwohl das Graffito mit dem kaffeetrinkenden Joe auf der Rückseite des Gebäudes angebracht ist, kann man es auch dann nicht verfehlen, wenn man auf der Hauptstraße daran vorbeifährt: Ein bunt bemalter Hippie-Campingvan parkt dauerhaft vor dem Café, das nicht viel mehr als ein Schuppen mit Veranda unterm Plastikplanendach ist.

Insgesamt sticht die ungewöhnliche Farbgebung des Lokals ins Auge, weil man damit eher die Karibik als den Norden Michigans assoziiert. „[…] reminded me of a place you’d find in FL”, schrieb ein Gast auf tripadvisor.com. Das Essen entspricht dem üblichen Frühstücksprogramm eines Diners, außerdem gibt es Pizza, Suppen und Salate sowie gigantische Eisbecher. Wenn man den größten bestellt, wird man offenbar fotografiert, denn überall hängen Bilder von Menschen, die eine Art Vereinspokal vor sich stehen haben und tapfer Unmengen von Eis und Sahne löffeln. In meiner Kindheit hätte man mit einer solchen Eisportion eine Familienfeier gestaltet. Vormittags bleibt man von einem solchen Anblick aber zum Glück verschont. Und der Bagel, den ich esse, kommt in handelsüblicher Größe.

Nun, wegen eines Bagels müsste man selbstverständlich nicht zu „Java Joe’s“ gehen. Es ist mehr die Atmosphäre, die zählt. Tatsächlich begrüßt einen der Besitzer, der einen kleinen Pferdeschwanz trägt und genauso aussieht, wie sein Hippievan vermuten lässt, mit dem herzhaftesten und aufmunterndsten „Good morning!“, das mir je zu Ohren gekommen. Es ist ein „Good morning“, das ausdrückt, dass auf der Welt vielleicht nicht immer alles zum Besten bestellt ist, aber dass trotzdem nichts dagegen spricht, den Tag guten Mutes zu beginnen und – Kaffee zu trinken. Bevor man noch richtig sitzt, steht schon ein dampfender Kaffeebecher vor einem. Es ist genau die Sorte Kaffee, die man im Urlaub dringend braucht, aber viel zu selten kriegt. Und dann bewundert man die verrückten Kaffeekannen, die in langen Reihen auf Regalen stehen, und fühlt sich wohl. Die Kannen sind nicht nur bloße Zierde; man kann sie auch käuflich erwerben. Allerdings glaube ich nicht, dass das oft passiert. Die Leute halten sich doch mehr an Pfannkuchen und Omeletts.

Das Menü, das im Anzeigenblattformat daherkommt und zum Mitnehmen gedacht ist, hat erstaunlich viel zu bieten. Man fragt sich, wie das eigentlich gehen kann, denn die Küche ist offensichtlich winzig. Nun, manchmal geht es eben nicht, und das erklärt wohl, warum die Freizeit-Gastrokritiker das Lokal auf einschlägigen Websites so unterschiedlich bewerten. Die meisten Gäste sind hellauf begeistert, aber ein paar sind sich auch ganz sicher, dass sie nie mehr hingehen wollen. Denn vor allem bei größeren Veranstaltung in St. Ignace, wenn das Lokal überlaufen ist, kommt die Küche nicht mehr nach, und der Service bricht zusammen.

Trotzdem finde ich, dass man das Risiko eingehen sollte – alles wird frisch gemacht, und das kann eben auch schiefgehen. Bei unserem letzten Besuch kam auf einmal eine Frau händeringend aus der Küche gelaufen und wollte wissen, wer die Cinnamon Sticks bestellt hatte, die seien nämlich leider angebrannt. Enttäuschte Gesichter am Nebentisch. Die Familie wartete wohl schon etwas länger. Joe’s bessere Hälfte, die Sandy heißt, versprach aber, umgehend neue Portion Zimtstreifen zu backen. Was allerdings eine Weile dauerte.

Wie sich herausstellte, kam die Familie aus Phoenix, Arizona – und die Michigander am Nebentisch stellten die dumme Frage, warum sie nicht einfach in ihrem Heimatstaat Urlaub machten. Die Antwort war einleuchtend: „It’s too hot!“ Es war ein heißes Wochenende in Michigan, aber für die Bewohner des Wüstenstaates war das immer noch sehr erfrischend. Und irgendwann kamen auch noch die Cinnamon Sticks.

Java Joe's Café, St. Ignace © Cornelia Schaible


Java Joe's Café
959 North State Street
St. Ignace, MI 49781

Open 7 am - 10 pm daily

www.javajoescafe.com

Friday, July 15, 2011

Automatically Against Anything

„[…] the modern G.O.P. fundamentally does not accept the legitimacy of a Democratic presidency — any Democratic presidency. We saw that under Bill Clinton, and we saw it again as soon as Mr. Obama took office.

As a result, Republicans are automatically against anything the president wants, even if they have supported similar proposals in the past. Mitt Romney’s health care plan became a tyrannical assault on American freedom when put in place by that man in the White House. And the same logic applies to the proposed debt deals.“

Kolumnist und Nobelpreisträger PAUL KRUGMAN in der heutigen „New York Times“ über den wahren Grund, warum die Republikaner die Sparpläne des Präsidenten ablehnen.

Monday, June 20, 2011

Forever young – aber wie alt genau?

In den USA gibt es eine Modekette namens „Forever 21“. Das brachte mich vor einiger Zeit schwer ins Grübeln: Warum genau dieses Alter und nicht etwa, sagen wir einmal, 19 oder 22? Vielleicht hätte es auch seine Reize, immerzu 20 zu sein. Obwohl das eigentlich schon zu alt ist für die Klamotten im Schaufenster, die ganz klar auf eine jüngere weibliche Käuferschicht zielen, mehr so auf sweet sixteen. Und hat Chris Roberts etwa gesungen: „Du kannst nicht immer 21 sein...“? Aber für den deutschen Schlager gelten eben andere Regeln, und 17 ist für ewige Jugend womöglich ein bisschen zu jung.

Natürlich gibt es einen guten Grund dafür, dass in Amerika die Vollendung des 21. Lebensjahres mit einer rauschenden Party begangen wird – und nicht etwa die Volljährigkeit mit 18, wie man erwarten würde. In Deutschland ist das auch gleichzeitig der Geburtstag, an dem man ohne die amtlich eingetragene Begleitperson ans Steuer darf – ein Tag, der sicher von allen Beteiligten der einjährigen Zwangs-Fahrgemeinschaft heftig herbeigesehnt wird. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Cheers!

Als ich darüber im Unterricht mit meinen Studenten sprach, dämmerte mir auch endlich, warum das magische Alter in den USA 21 ist: In Deutschland darf man in jugendlichem Alter zwar Bier trinken, aber noch nicht allein Auto fahren. Die Amerikaner lassen schon Teenies ans Steuer – in Michigan kann man sich mit 14 Jahren und 9 Monaten zum Führerschein anmelden! – aber bis die jungen Leute legal Alkohol trinken dürfen, dauert es noch ein paar Jährchen: Das legal drinking age, das sich in allen US-Bundesstaaten auf den Erwerb, vielerorts aber auch schon auf den Genuss von alkoholischen Getränken bezieht, ist heute 21. Nach Erreichen der Volljährigkeit muss man also noch einmal eine Ewigkeit warten, was recht erstaunlich ist. Das heißt aber auch, dass junge Amerikaner erst noch lernen müssen, mit Alkohol umzugehen, wenn sie schon längst Autofahrer sind.

Außerdem beantwortet das die Frage, warum hiesige Jugendliche ihren 19. Geburtstag gerne auf der anderen Seite des Detroit River, nämlich in Kanada, feiern: In Ontario erreicht man mit 19 das legal drinking age. „Nineteen forever“, sang Joe Jackson. Aber das muss andere Gründe haben – der Musiker kommt aus England. Und dort muss man nicht solange warten, bis man in einen Pub darf.

Wednesday, May 25, 2011

Morcheln und ein Truthahn im Regen

Es regnet ohne Unterlass, es regnet immerzu. Nein, das stimmt nicht ganz – es gibt auch Regenpausen. Am vergangenen Wochenende beispielsweise, da regnete es nur nachts. Tagsüber war es ganz angenehm. Überhaupt sollte man sich nicht beklagen, wenn man in Michigan wohnt und gravierende Unwetter kaum befürchten muss. Ganz im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten, wo derzeit entweder ganze Landstriche überflutet oder von Wirbelstürmen verwüstet sind. Das Wetter in diesem Land: eine einzige Katastrophe.

Der Regen hat – zumindest in Michigan – auch sein Gutes: Es gibt jede Menge Morcheln in diesem Frühjahr. Endlich kann man sich einmal richtig daran sattessen. Ich habe sogar schon versucht, im Backofen welche zu trocknen; das Ergebnis war allerdings nicht sehr überzeugend. Vielleicht werde ich im nächsten Jahr die Gefriermethode versuchen. Falls es dann wieder Morcheln gibt.

Da es dauernd regnet, ist das Morchelsuchen eine sehr feuchte Angelegenheit. Wenn man unter tropfende Büsche und Bäume kriecht, hilft auch eine Regenjacke nicht viel. Und von unten her wird man sowieso patschnass. So viel Nässe aus allen Richtungen ist unangenehm, da geht es mir wie den Gänsen. Die wirken ein bisschen missvergnügt, wenn sie derzeit auf dem Teich paddeln. Sie mögen wohl das Wasser nicht so gern, wenn es von oben kommt.

Der Dauerregen kommt auch anderem Federvieh bisweilen ungelegen. Als wir vor einer Woche im Stony Creek Metropark waren und uns nach dem Morchelsuchen wieder auf den Heimweg begaben, sahen wir auf einer Waldwiese das interessanteste Spektakel, das der Mai in Michigans freier Natur zu bieten hat: einen balzenden Truthahn. Seine beiden Truthennen waren nur wenige Schritte entfernt, eifrig auf der nassen Wiese pickend und Desinteresse heuchelnd, wie sich das für anständige Putendamen gehört. Ein paar Hirsche sahen sich das Schauspiel ebenfalls an. Die Show des Truthahns war indessen nicht sonderlich beeindruckend; mit triefenden Schwanzfedern ließ sich nicht wirklich ein Rad schlagen. Genau genommen sah er ziemlich bedröppelt aus. „How embarrassing“, sagte mein Mann.

Immerhin, schon am Freitagabend gab es eine Regenpause, und die nächste Portion Morcheln konnte trocken eingesammelt werden. Der Truthahn war im Übrigen auch wieder da, und dieses Mal schlug er ein prächtiges Rad. Nicht nur ein Mal, immer wieder. Die Hirsche hatten richtig was zu gucken. Nur die Truthennen pickten immer noch gleichgültig vor sich hin.

Wednesday, May 4, 2011

Präsidentielles Multitasking

„In the timeline of the Bin Laden operation, we see just how closely the secret life of a president bumps against his public life. Though this operation was a special case, it puts in high relief an oft-forgotten truth about the presidency: The president is occupied by a lot more than the public can see. […]

During the period of intense focus on Bin Laden, other problems and issues the president was dealing with included: a government shutdown, a big speech on the budget, the start of his presidential campaign, the birth-certificate follies, and the bombing of Libya.“

JOHN DICKERSON unter der Headline: „All Work and No Play.
A president's day is more than whatever appears on his public schedule“ am 2. Mai 2011auf „Slate“.