„Entschuldigung, dass ich keine Rädchen schlage aus Freude über Benzinpreise, die auf $ 1,87 pro Gallone fallen“, schreibt Tom Walsh heute in seiner Kolumne in der „Detroit Free Press“. Und weiter: „This is bad news for a nation of immediate-gratification consumers and attention-span-challenged policy leaders.“ Warum das eine schlechte Nachricht ist, obwohl es unstreitbar positive Auswirkungen aufs Familienbudget hat? Die amerikanische Nachfrage nach unförmigen Benzinfressern, die sonst auf der Welt keiner will, nimmt wieder zu, befürchtet Walsh. Und das bedeute „schwindendes Interesse an mutigen Schritten, um die Abhängigkeit der Nation vom importierten Öl zu reduzieren“.
Damit liegt er wohl richtig. Daran wird sich auch nichts ändern, solange es in diesem Lande keine richtige Energiepolitik gibt, die diesen Namen verdient. Oder wie Walsh schreibt: „Unless you consider ,we use all the energy we want and have a Defense Department to ensure that we can get it‘ an energy policy.“ Sonst läuft es wie bisher nach dem Muster: Die Opec senkt den Rohölpreis und untergräbt damit alle alternativen Ansätze. Und schon fließen wieder Petrodollars für die Tyrannen dieser Welt. Um genau das abzustellen, bedarf es staatlicher Regulierung. Am einfachsten ginge das über eine Benzinsteuer, die schrittweise angehoben wird, und/oder die Einführung eines Mindestpreises für den Barrel Rohöl. Damit die Alternativen endlich konkurrenzfähig werden. Thomas Friedman predigt das schon lange, nachzulesen in der „New York Times“.
Offenbar gibt es nun sogar in der Autoindustrie Benzinsteuer-Befürworter. Tom Walsh zitiert Tim Leuliette, den CEO von Metaldyne, einem Zulieferer in Plymouth: „Keine andere Stadt in diesem Land leidet mehr unter der fehlenden Energiepolitik als Detroit“, sagt Leuliette. „Das kommt daher, dass Autofahrer in den Vereinigten Staaten für Benzin gerade mal 30 oder 40 Prozent von dem ausgeben, was die Verbraucher anderswo auf der Welt ausgeben müssen.“ Die Folge: Japaner und Europäer entwickeln Autos für den Fünf-Dollar-für-die-Gallone-Markt.
Aus diesem Grund ist Toyota im Dezember auch die Nummer zwei auf dem US-Automarkt geworden. Und weltweit ist der japanische Autobauer wahrscheinlich bereits Spitze. Zu Recht.
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Thursday, January 18, 2007
Wednesday, September 13, 2006
Super mit Wasserstoff
Im Prinzip ist die Brennstoffzelle als Fahrzeugantrieb eine prima Sache - sie macht das Null-Emissions-Auto möglich. Allerdings hat das mit Wasserstoff betriebene Minikraftwerk im Auto einen Schönheitsfehler, genauer gesagt zwei: Die mobile Brennstoffzellen-Technik ist bislang technisch unzuverlässig und dazu noch sagenhaft teuer. "Die Brennstoffzelle gilt in der Automobilindustrie als Antriebssystem der Zukunft" ist daher ein Satz ohne Verfallsdatum. Egal, wen und wann man danach fragt - von der Serienreife der Brennstoffzelle sind wir immer 10 bis 15 Jahre entfernt. Das war schon vor Jahren so, und das wird sich nie ändern.
Im Doku-Film "Who Killed the Electric Car?" wird die Brennstoffzelle mit dem Mechanical Rabbit bei Hunderennen verglichen: Wir kommen ihr nie wirklich näher. Die Meute hechelt nur immerzu hinter ihr her. Wäre die Marktreife der Brennstoffzelle ein ernsthaftes Ziel, würden etwa bei DaimlerChrysler nicht nur ein paar Hansel daran herumdoktern, irgendwo in der hintersten Ecke im Keller des Headquarters in Auburn Hills. Nun, die unheilvolle Allianz von Autoindustrie und Erdölkonzernen wird schon dafür sorgen, dass diese scheinbar so greifbare Alternative in unerreichbarer Ferne bleibt. Und gelegentlich wirbt man auf der Autoshow mit der umweltfreundlichen Technik: Brennstoffzellen-Forschung als Feigenblatt.
Es geht aber auch anders: BMW nimmt an diesem seltsamen Rennen nicht teil - und setzt trotzdem auf Wasserstoff als Energieträger. Der soll aber nicht in der Brennstoffzelle in Strom umgewandelt, sondern direkt verbrannt werden: "Wasserstoff ist der Brennstoff der Zukunft, und wir sehen den Verbrennungsmotor - zumindest für BMW - auch weiterhin als das Antriebs-Aggregat der Zukunft", sagte mir BMW-Entwicklungschef Prof. Burkhard Göschel bei einem Interview im vergangenen Jahr (hier findet sich der vollständige Text).
Auch das klang damals noch ein bisschen wie ferne Zukunftsmusik. Das Konzept des Wasserstoff-Verbrennungsmotors hat der bayerische Autokonzern nun deutlich schneller umgesetzt als erwartet: Gestern präsentierte BMW "die weltweit erste mit Wasserstoff betriebene Luxuslimousine für den Alltagsbetrieb", wie es in der Pressemeldung heißt, den "Hydrogen 7". So richtig alltäglich ist diese zum Wasserstoffauto umgerüstete Limousine aus der 7er-Reihe aber auch wieder nicht. Sie soll in einer Kleinstserie hergestellt und - da offenbar unbezahlbar - an ausgewählte Kunden verleast werden.
Der "Hydrogen 7", in dessen Tank der Flüssigwasserstoff bei minus 253 Grad Celsius gespeichert wird, ist gewiss ein "Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigen und schadstofffreien Mobilität", wie BMW schwärmt. Dummerweise ist dieser Weg aber noch keineswegs von Wasserstoff-Tankstellen gesäumt - und so handelt es sich bei der Wasserstoff-Limousine in Wirklichkeit um ein bivalentes Fahrzeug, das noch einen zweiten Tank besitzt und und auch ganz herkömmlich mit Superbenzin betrieben werden kann.
Nachtrag vom 17. September 2006:
GM hat inzwischen die Serienreife des ersten Fuel-Cell-Fahrzeugs angekündigt - das ist der bereits bei der Autoshow 2005 vorgestellte Sequel, dem inzwischen die Marke "Chevy" aufgepappt wurde. Der könnte schon 2011 in Massenproduktion gehen, heißt es in Presseberichten. Aber ja doch. Wo diese Brennstoffzellen-Autos dann den Wasserstoff hernehmen sollen, verrät das Unternehmen nicht. Sie könnten nicht mal die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in deutschen Landen anzapfen, die BMW kürzlich in Kooperation mit Total in München eröffnet hat - denn da gibt's nur Flüssigwasserstoff. Für den komprimierten Wasserstoff, den der Sequel braucht, existiert noch nicht einmal ein Industrie-Standard.
Im Doku-Film "Who Killed the Electric Car?" wird die Brennstoffzelle mit dem Mechanical Rabbit bei Hunderennen verglichen: Wir kommen ihr nie wirklich näher. Die Meute hechelt nur immerzu hinter ihr her. Wäre die Marktreife der Brennstoffzelle ein ernsthaftes Ziel, würden etwa bei DaimlerChrysler nicht nur ein paar Hansel daran herumdoktern, irgendwo in der hintersten Ecke im Keller des Headquarters in Auburn Hills. Nun, die unheilvolle Allianz von Autoindustrie und Erdölkonzernen wird schon dafür sorgen, dass diese scheinbar so greifbare Alternative in unerreichbarer Ferne bleibt. Und gelegentlich wirbt man auf der Autoshow mit der umweltfreundlichen Technik: Brennstoffzellen-Forschung als Feigenblatt.
Es geht aber auch anders: BMW nimmt an diesem seltsamen Rennen nicht teil - und setzt trotzdem auf Wasserstoff als Energieträger. Der soll aber nicht in der Brennstoffzelle in Strom umgewandelt, sondern direkt verbrannt werden: "Wasserstoff ist der Brennstoff der Zukunft, und wir sehen den Verbrennungsmotor - zumindest für BMW - auch weiterhin als das Antriebs-Aggregat der Zukunft", sagte mir BMW-Entwicklungschef Prof. Burkhard Göschel bei einem Interview im vergangenen Jahr (hier findet sich der vollständige Text).
Auch das klang damals noch ein bisschen wie ferne Zukunftsmusik. Das Konzept des Wasserstoff-Verbrennungsmotors hat der bayerische Autokonzern nun deutlich schneller umgesetzt als erwartet: Gestern präsentierte BMW "die weltweit erste mit Wasserstoff betriebene Luxuslimousine für den Alltagsbetrieb", wie es in der Pressemeldung heißt, den "Hydrogen 7". So richtig alltäglich ist diese zum Wasserstoffauto umgerüstete Limousine aus der 7er-Reihe aber auch wieder nicht. Sie soll in einer Kleinstserie hergestellt und - da offenbar unbezahlbar - an ausgewählte Kunden verleast werden.
Der "Hydrogen 7", in dessen Tank der Flüssigwasserstoff bei minus 253 Grad Celsius gespeichert wird, ist gewiss ein "Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigen und schadstofffreien Mobilität", wie BMW schwärmt. Dummerweise ist dieser Weg aber noch keineswegs von Wasserstoff-Tankstellen gesäumt - und so handelt es sich bei der Wasserstoff-Limousine in Wirklichkeit um ein bivalentes Fahrzeug, das noch einen zweiten Tank besitzt und und auch ganz herkömmlich mit Superbenzin betrieben werden kann.
Nachtrag vom 17. September 2006:
GM hat inzwischen die Serienreife des ersten Fuel-Cell-Fahrzeugs angekündigt - das ist der bereits bei der Autoshow 2005 vorgestellte Sequel, dem inzwischen die Marke "Chevy" aufgepappt wurde. Der könnte schon 2011 in Massenproduktion gehen, heißt es in Presseberichten. Aber ja doch. Wo diese Brennstoffzellen-Autos dann den Wasserstoff hernehmen sollen, verrät das Unternehmen nicht. Sie könnten nicht mal die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in deutschen Landen anzapfen, die BMW kürzlich in Kooperation mit Total in München eröffnet hat - denn da gibt's nur Flüssigwasserstoff. Für den komprimierten Wasserstoff, den der Sequel braucht, existiert noch nicht einmal ein Industrie-Standard.
Tuesday, April 25, 2006
Happy Hour an der Tankstelle
Mag sein, dass viele nur deswegen gegen Ethanol als Kraftstoff sind, weil George W. Bush neuerdings dafür ist.
Es sind freilich nicht nur die üblichen Bedenkenträger, die es für eine Schnapsidee halten, aus Mais oder Zuckerrüben gewonnenen Alkohol in den Tank eines Autos zu schütten. Auf den ersten Blick mag es tatsächlich obszön erscheinen, für den Mobilitätsdrang der Industrienationen auch noch pflanzliche Grundnahrungsmittel zu verbrauchen. Aber auf dieser Welt würden bestimmt nicht mehr Leute satt, wenn die USA ihre Mais-Überproduktion einfach verrotten ließen. Das Ziel der Ethanol-Befürworter ist ohnehin, längerfristig Zellulose in Kraftstoff zu verwandeln - also Abfallprodukte aus Land- und Forstwirtschaft wie Maisstängel, Stroh und Holzspäne. Die kanadische Firma Iogen, Volkswagen und Shell prüfen gerade die Wirtschaftlichkeit einer Produktionsanlage für Zellulose-Ethanol in Ostdeutschland. Das Know-how, dank Biosprit aus nachwachsenden Rohstoffen von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden, dürfte indessen auch ärmeren Ländern zugute kommen.
Und George W. Bush? Wenn der Mann einmal einen lichten Moment hat, sollte man das getrost hinnehmen - auch wenn ihm in Bezug auf die globale Erwärmung das entscheidende Erweckungserlebnis noch fehlt. Vielleicht ist der inzwischen schon legendäre Satz aus seiner jüngsten Lage-der-Nation-Rede "America is addicted to oil" das einzige Bush-Vermächtnis, an das sich die Nachwelt mit Wohlwollen erinnert. Womöglich weiß der US-Präsident das sogar selbst, trommelt neuerdings deswegen so eifrig für die erneuerbaren Energien. Welchen Grund hätte der Ölmann Bush sonst, plötzlich auf Sonnenenergie und Wasserstoff zu setzen? Allerdings verkörpert Bush persönlich auch nicht "Big Oil", sondern eher "Small Oil", wie er selbst einmal betonte - seine Ölfirma Arbusto hat nie auch nur einen einzigen Tropfen Öl gefördert, sondern bloß das Geld der Investoren verheizt. Wie bei Biografin Kitty Kelley nachzulesen, kursierte in Texas einst der Witz, Bush würde nicht einmal im lokalen 7-Eleven-Laden eine Dose Motorenöl finden... Für ihn war eben schon immer Past Peak Oil.
Jedenfalls hat Bush heute in einer Rede vor der Renewable Fuels Association wieder kräftig für alternative Kraftstoffe Wind gemacht - eigentlich hätte es darum gehen sollen, angesichts stetig steigender Benzinpreise die Mineralölkonzerne zur Räson zu bringen, schließlich streichen diese Milliardengewinne ein. Die Ölmultis haben auch weiterhin von Bush nichts zu befürchteten, wie sich bei der Gelegenheit herausstellte: Die Mehrbelastung durch die angekündigte Rücknahme von Steuererleichterungen bestreiten die doch lässig aus der Portokasse. Dafür machte sich Bush für sparsame Hybridantriebe, sauberen Diesel und Ethanol stark.
Bei derzeit genau 619 Tankstellen in den USA, die das auf Ethanol basierende E85 im Angebot haben, sieht es allerdings nicht danach aus, dass sich Autofahrer demnächst in größerem Stil zur Happy Hour an der Tankstelle treffen und ihr Vehikel mit der Spirituose aus der Zapfsäule abfüllen. Der reichste Mann der Welt hat indessen klar gemacht, dass er bei der Party mit dabei sein will: Bill Gates ist kürzlich mit 84 Millionen Dollar beim kalifornischen Biospritunternehmen Pacific Ethanol eingestiegen.
Nachtrag:
Natürlich habe ich wieder einmal schamlos übertrieben. Einem älteren Artikel aus dem "Rolling Stones" - Titel: "All Hat no Cattle" - entnahm ich, dass Bush nach jahrelanger erfolgloser Suche doch noch fündig wurde. Seine Firma dürfte aber weniger als 50.000 Barrel gefördert haben. Vielleicht hat er, frei nach Reinhard Mey, schließlich eine Pipeline angestochen: "Hab Erdöl im Garten, ob's stürmt oder schneit..."
Es sind freilich nicht nur die üblichen Bedenkenträger, die es für eine Schnapsidee halten, aus Mais oder Zuckerrüben gewonnenen Alkohol in den Tank eines Autos zu schütten. Auf den ersten Blick mag es tatsächlich obszön erscheinen, für den Mobilitätsdrang der Industrienationen auch noch pflanzliche Grundnahrungsmittel zu verbrauchen. Aber auf dieser Welt würden bestimmt nicht mehr Leute satt, wenn die USA ihre Mais-Überproduktion einfach verrotten ließen. Das Ziel der Ethanol-Befürworter ist ohnehin, längerfristig Zellulose in Kraftstoff zu verwandeln - also Abfallprodukte aus Land- und Forstwirtschaft wie Maisstängel, Stroh und Holzspäne. Die kanadische Firma Iogen, Volkswagen und Shell prüfen gerade die Wirtschaftlichkeit einer Produktionsanlage für Zellulose-Ethanol in Ostdeutschland. Das Know-how, dank Biosprit aus nachwachsenden Rohstoffen von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden, dürfte indessen auch ärmeren Ländern zugute kommen.
Und George W. Bush? Wenn der Mann einmal einen lichten Moment hat, sollte man das getrost hinnehmen - auch wenn ihm in Bezug auf die globale Erwärmung das entscheidende Erweckungserlebnis noch fehlt. Vielleicht ist der inzwischen schon legendäre Satz aus seiner jüngsten Lage-der-Nation-Rede "America is addicted to oil" das einzige Bush-Vermächtnis, an das sich die Nachwelt mit Wohlwollen erinnert. Womöglich weiß der US-Präsident das sogar selbst, trommelt neuerdings deswegen so eifrig für die erneuerbaren Energien. Welchen Grund hätte der Ölmann Bush sonst, plötzlich auf Sonnenenergie und Wasserstoff zu setzen? Allerdings verkörpert Bush persönlich auch nicht "Big Oil", sondern eher "Small Oil", wie er selbst einmal betonte - seine Ölfirma Arbusto hat nie auch nur einen einzigen Tropfen Öl gefördert, sondern bloß das Geld der Investoren verheizt. Wie bei Biografin Kitty Kelley nachzulesen, kursierte in Texas einst der Witz, Bush würde nicht einmal im lokalen 7-Eleven-Laden eine Dose Motorenöl finden... Für ihn war eben schon immer Past Peak Oil.
Jedenfalls hat Bush heute in einer Rede vor der Renewable Fuels Association wieder kräftig für alternative Kraftstoffe Wind gemacht - eigentlich hätte es darum gehen sollen, angesichts stetig steigender Benzinpreise die Mineralölkonzerne zur Räson zu bringen, schließlich streichen diese Milliardengewinne ein. Die Ölmultis haben auch weiterhin von Bush nichts zu befürchteten, wie sich bei der Gelegenheit herausstellte: Die Mehrbelastung durch die angekündigte Rücknahme von Steuererleichterungen bestreiten die doch lässig aus der Portokasse. Dafür machte sich Bush für sparsame Hybridantriebe, sauberen Diesel und Ethanol stark.
Bei derzeit genau 619 Tankstellen in den USA, die das auf Ethanol basierende E85 im Angebot haben, sieht es allerdings nicht danach aus, dass sich Autofahrer demnächst in größerem Stil zur Happy Hour an der Tankstelle treffen und ihr Vehikel mit der Spirituose aus der Zapfsäule abfüllen. Der reichste Mann der Welt hat indessen klar gemacht, dass er bei der Party mit dabei sein will: Bill Gates ist kürzlich mit 84 Millionen Dollar beim kalifornischen Biospritunternehmen Pacific Ethanol eingestiegen.
Nachtrag:
Natürlich habe ich wieder einmal schamlos übertrieben. Einem älteren Artikel aus dem "Rolling Stones" - Titel: "All Hat no Cattle" - entnahm ich, dass Bush nach jahrelanger erfolgloser Suche doch noch fündig wurde. Seine Firma dürfte aber weniger als 50.000 Barrel gefördert haben. Vielleicht hat er, frei nach Reinhard Mey, schließlich eine Pipeline angestochen: "Hab Erdöl im Garten, ob's stürmt oder schneit..."
Wednesday, February 1, 2006
America Is Addicted to Oil
Über weite Teile war die Rede zur Lage der Nation bestenfalls einschläfernd: Der US-Präsident will immer noch die Tyrannei auf der Welt beenden, dauerhaft Steuern senken und den Krieg im Irak gewinnen. Das alte Lied also. Und wer mit konkreten Vorschläge über den Wiederaufbau in New Orleans gerechnet hatte, wurde enttäuscht - das Thema wurde nur so am Rande abgehandelt. Aber dann sagte George W. Bush gestern Abend einen Satz, der die Zuhörer im Fernsehsessel hochfahren ließ:
"America is addicted to oil."
Aber hallo! Und das aus dem Mund eines texanischen Ölmannes. Abhängig vom Öl - eine interessante Diagnose. Houston, wir haben ein Problem: Amerika ist ölsüchtig! Nun, mit Abhängigkeiten kennt sich George W. Bush bekanntlich aus. Und die Nation staunte.
Das Öl, so hat der Präsident festgestellt, "wird oft aus unstabilen Regionen dieser Welt importiert". Genauer gesagt, es schmiert die Diktaturen im Nahen Osten, denen Bush den Kampf angesagt hat. "In der arabischen Welt sind Öl und autoritäre Regierungssysteme untrennbar verbunden", schreibt Thomas Friedman heute in der "New York Times". In korrupten Petrokratien kann die Demokratie nicht gedeihen. "Es ist kein Zufall", so endet Friedmans Kolumne, "dass die erste und einzige wirkliche Demokratie in der arabischen Welt - der Libanon - nie einen Tropfen Öl besaß".
Um die Ölabhängigkeit der Wirtschaft zu überwinden, will Bush die Erschließung sämtlicher alternativer Energiequellen fördern - allerdings brachte er in seiner Rede auch die Kernkraft ins Spiel. Und insgesamt blieb er reichlich vage. Etwas präziser war, was Bush zum Thema alternative Antriebsarten fürs Auto zu sagen hatte: Bessere Batterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge, heißt hier die Parole, und weiter am abgasfreien Wasserstoffauto forschen. Das klingt alles sehr schön, und wäre es das gewesen, hätten tatsächlich die Miesmacher Recht, die sich heute ausgiebig zu Wort meldeten: alles nur Zukunftsmusik, keine Lösung aktueller Probleme. Denn mit Wasserstoff fahren wir noch lange nicht. Und Hybridantriebe sparen zwar Kraftstoff, gewiss, aber sie beenden nicht die Abhängigkeit von fossilen Energien.
Aber Bush will noch mehr, nämlich weg vom Benzin: Bald sollen die notorischen Spritfresser auf Amerikas Straßen Ethanol schlucken. In Detroit, wo Bill Ford neuerdings für den synthetischen Kraftstoff wirbt, horchte man spätestens an dieser Stelle auf. Und das ist nun kein Projekt für übermorgen, sondern bereits eine mögliche Alternative - hier gibt's eine Liste mit Autofabrikaten, die den Kraftstoff E85 vertragen, also ein Gemisch aus Ethanol und Benzin: Flexible Fuel Vehicles.
Allerdings - wie aus der Website auch hervorgeht - gibt's noch kaum Tankstellen, die Ethanol an der Zapfsäule anbieten. In Michigan sind das gerade mal vier, davon drei immerhin in Metro Detroit. Und das Produktionsverfahren für solche synthetischen Kraftstoffe ist aufwändig und teuer; steigende Ölpreisen machen die Sprit-Alternative allerdings zunehmend konkurrenzfähig. Und an den Produktionsmethoden soll noch geforscht werden, versprach Bush.
In jedem Fall ist die Basis für den neuen Kraftstoff überzeugend billig - es handelt sich nämlich um Biomasse, die häufig sowieso anfällt. Die Stängel vom Mais etwa, Stroh oder Holzspäne - Zellulose in jeder Form lässt sich zu Ethanol verarbeiten. Das wäre doch auch eine gute Verwendung für das Gestrüpp, das der Präsident in jedem Urlaub auf seiner Ranch jätet. Auf zum Entbuschen! Der Kraftstoff der Zukunft: Biosprit, gerne auch made in Texas.
Nachtrag:
Hier noch der Link zu einem weiteren Verzeichnis für Alternative Fuel Vehicles vom U.S. Department of Energy.
"America is addicted to oil."
Aber hallo! Und das aus dem Mund eines texanischen Ölmannes. Abhängig vom Öl - eine interessante Diagnose. Houston, wir haben ein Problem: Amerika ist ölsüchtig! Nun, mit Abhängigkeiten kennt sich George W. Bush bekanntlich aus. Und die Nation staunte.
Das Öl, so hat der Präsident festgestellt, "wird oft aus unstabilen Regionen dieser Welt importiert". Genauer gesagt, es schmiert die Diktaturen im Nahen Osten, denen Bush den Kampf angesagt hat. "In der arabischen Welt sind Öl und autoritäre Regierungssysteme untrennbar verbunden", schreibt Thomas Friedman heute in der "New York Times". In korrupten Petrokratien kann die Demokratie nicht gedeihen. "Es ist kein Zufall", so endet Friedmans Kolumne, "dass die erste und einzige wirkliche Demokratie in der arabischen Welt - der Libanon - nie einen Tropfen Öl besaß".
Um die Ölabhängigkeit der Wirtschaft zu überwinden, will Bush die Erschließung sämtlicher alternativer Energiequellen fördern - allerdings brachte er in seiner Rede auch die Kernkraft ins Spiel. Und insgesamt blieb er reichlich vage. Etwas präziser war, was Bush zum Thema alternative Antriebsarten fürs Auto zu sagen hatte: Bessere Batterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge, heißt hier die Parole, und weiter am abgasfreien Wasserstoffauto forschen. Das klingt alles sehr schön, und wäre es das gewesen, hätten tatsächlich die Miesmacher Recht, die sich heute ausgiebig zu Wort meldeten: alles nur Zukunftsmusik, keine Lösung aktueller Probleme. Denn mit Wasserstoff fahren wir noch lange nicht. Und Hybridantriebe sparen zwar Kraftstoff, gewiss, aber sie beenden nicht die Abhängigkeit von fossilen Energien.
Aber Bush will noch mehr, nämlich weg vom Benzin: Bald sollen die notorischen Spritfresser auf Amerikas Straßen Ethanol schlucken. In Detroit, wo Bill Ford neuerdings für den synthetischen Kraftstoff wirbt, horchte man spätestens an dieser Stelle auf. Und das ist nun kein Projekt für übermorgen, sondern bereits eine mögliche Alternative - hier gibt's eine Liste mit Autofabrikaten, die den Kraftstoff E85 vertragen, also ein Gemisch aus Ethanol und Benzin: Flexible Fuel Vehicles.
Allerdings - wie aus der Website auch hervorgeht - gibt's noch kaum Tankstellen, die Ethanol an der Zapfsäule anbieten. In Michigan sind das gerade mal vier, davon drei immerhin in Metro Detroit. Und das Produktionsverfahren für solche synthetischen Kraftstoffe ist aufwändig und teuer; steigende Ölpreisen machen die Sprit-Alternative allerdings zunehmend konkurrenzfähig. Und an den Produktionsmethoden soll noch geforscht werden, versprach Bush.
In jedem Fall ist die Basis für den neuen Kraftstoff überzeugend billig - es handelt sich nämlich um Biomasse, die häufig sowieso anfällt. Die Stängel vom Mais etwa, Stroh oder Holzspäne - Zellulose in jeder Form lässt sich zu Ethanol verarbeiten. Das wäre doch auch eine gute Verwendung für das Gestrüpp, das der Präsident in jedem Urlaub auf seiner Ranch jätet. Auf zum Entbuschen! Der Kraftstoff der Zukunft: Biosprit, gerne auch made in Texas.
Nachtrag:
Hier noch der Link zu einem weiteren Verzeichnis für Alternative Fuel Vehicles vom U.S. Department of Energy.
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