- Die Hochsaison beginnt oft erst einen Tag vor Heiligabend.
- In Kombination mit Sonne, Sand und Palmen wird weihnachtlicher Konsumkitsch zwangsläufig ironisch gebrochen und dadurch mindestens lustig, oft sogar interessant. Scheußlichkeiten wie aufblasbare Santas in tropischen Vorgärten bieten sich als Objekte für Brauchtumsstudien an. Manchmal fährt Santa auch im Boot vorbei.
- Seesterne! Plastik-Christbäume, die mit Seesternen oder Sanddollars geschmückt sind, können richtig schön sein.
- Das vorweihnachtliche Wetter ist in Florida zwar nicht immer so warm und angenehm, wie man es gerne hätte, aber nach Winterstürmen kann man immerhin an vielen Stränden spektakuläre Muschelfunde machen.
- So klar und blau ist der Himmel sonst selten. Falls nicht: siehe oben.
- Seafood hat Saison und die frische Meerluft macht Appetit.
- Innen- und Außentemperaturen sind ähnlich; in Restaurants wird die Kühlung zurückgefahren, und es ist endlich einmal warm.
- Key Lime Pie ist leichter als Christstollen oder Fruit Cake.
- Oberon. Das Kultbier aus Michigan, dessen Saison kürzer ist als die von Baseball, ist in Florida ganzjährig erhältlich.
- Orangen sind spottbillig. Es gibt auch schon Erdbeeren, aber die sind noch teuer.
- Es gibt weniger Moskitos. So hofft man. Manchmal stimmt's.
- Wenn die Tage schon so kurz sind, möchte man sie wenigstens in der Wärme verbringen.
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Sunday, December 21, 2014
In der Vorweihnachtszeit nach Florida
Heute ist Winteranfang, und nach einem Tag, dessen wichtigstes Ereignis ein langer Strandspaziergang war, sitze ich nun mit meinem Mann in einer Ferienwohnung auf Siesta Key und trinke zur Feier des Tages ein Glas Wein. Hurra, es ist Wintersonnenwende! Jetzt werden die Tage wieder länger. Und ich überlege mir, wie genial es ist, in der Zeit vor Weihnachten nach Florida zu reisen. Es gibt mindestens zwölf Gründe, die dafür sprechen:
Wednesday, December 25, 2013
Wo wir in diesem Jahr Santa trafen
Es ist Weihnachten, und es schneit. Wie waren bei Freunden eingeladen, wo es einen Christbaum, Kinderlachen und Karaoke gab. Die Kinder durften bis zum Umfallen Geschenke auspacken, deswegen muss wohl irgendwann auch Santa dagewesen sein, obwohl wir den alten Herrn vor ein paar Tagen noch in Florida gesichtet hatten.
Wir saßen gerade im Restaurant, als er vorbeigefahren kam. Nein, nicht auf einem Schlitten – Santa kam per Boot. Das war nämlich ein Restaurant in Everglades City, direkt am Barron River gelegen und dadurch mit Verbindung zum Golf von Mexiko, damit es der Fisch nicht so weit in die Küche hat. Ich hatte schon vor dem Abendessen jemand sagen hören, dass es eine Christmas Parade geben werde, aber fälschlicherweise angenommen, es handele sich um einen Umzug auf der Straße. Das war dumm gedacht, denn da war ja niemand. In den Everglades konzentriert sich bis heute alles auf die Wasserwege; kein Wunder, dass Santa diese Route nahm.
Es war ein fast sommerlich warmer Abend, auf dem Fluss war es stockfinster, und das mit bunten Lämpchen geschmückte Santa-Schiff samt Begleitboot sorgte für einen bemerkenswerten Effekt. Als es langsam vorbeiglitt, gab es ein großes Gewinke und Gejohle. Die Gäste drängten sich auf der Aussichtsterrasse des Restaurants, das in den Fluss hineinragte und wo sich in dem Moment auch die Moskitos zum Abendmahl versammelten. Ich wollte aber lieber essen als gefressen werden, und so zog ich mich schnell wieder in den Gastraum zurück.
Aber abgesehen davon war alles sehr schön. Wie immer, wenn man vor Weihnachten in Florida auf Santa trifft.
Wir saßen gerade im Restaurant, als er vorbeigefahren kam. Nein, nicht auf einem Schlitten – Santa kam per Boot. Das war nämlich ein Restaurant in Everglades City, direkt am Barron River gelegen und dadurch mit Verbindung zum Golf von Mexiko, damit es der Fisch nicht so weit in die Küche hat. Ich hatte schon vor dem Abendessen jemand sagen hören, dass es eine Christmas Parade geben werde, aber fälschlicherweise angenommen, es handele sich um einen Umzug auf der Straße. Das war dumm gedacht, denn da war ja niemand. In den Everglades konzentriert sich bis heute alles auf die Wasserwege; kein Wunder, dass Santa diese Route nahm.
Es war ein fast sommerlich warmer Abend, auf dem Fluss war es stockfinster, und das mit bunten Lämpchen geschmückte Santa-Schiff samt Begleitboot sorgte für einen bemerkenswerten Effekt. Als es langsam vorbeiglitt, gab es ein großes Gewinke und Gejohle. Die Gäste drängten sich auf der Aussichtsterrasse des Restaurants, das in den Fluss hineinragte und wo sich in dem Moment auch die Moskitos zum Abendmahl versammelten. Ich wollte aber lieber essen als gefressen werden, und so zog ich mich schnell wieder in den Gastraum zurück.
Aber abgesehen davon war alles sehr schön. Wie immer, wenn man vor Weihnachten in Florida auf Santa trifft.
Friday, August 30, 2013
Semesteranfang, und noch scheint die Sonne
„Das Seltsame am Sommer ist, dass er so schnell vergeht.”
Das schreibt Malin in ihr Tagebuch. Und recht hat sie. Malin, das ist die älteste Tochter des Schriftstellers Melcher, der mit seinen insgesamt vier Kindern „Ferien auf Saltkrokan“ macht. Ich bin einmal mit einer Fähre durch die Schären vor Stockholm gefahren, aber das war natürlich kein kleiner tuckernder Dampfer wie im Buch von Astrid Lindgren, sondern eines dieser riesigen Schiffe, die nicht zu einer kleinen Insel fahren, sondern schnurstracks nach Finnland. Immerhin, es gab damals einen roten Abendhimmel, und als die Fähre durch die Schärenlandschaft glitt, winkten manchmal sogar Leute. Ich glaube allerdings nicht, dass wir an einer Insel vorbeikamen, die Astrid Lindgren als Vorbild gedient haben könnte. Dafür sah alles viel zu aufgeräumt und gediegen aus. Mehr Villen als bunte Sommerhäuser.
„Ferien auf Saltkrokan“, das war für mich immer die ultimative Sommersehnsuchtslektüre. Weil das Buch in meinem Elternhaus zurückgeblieben war und längst von meiner Schwester beschlagnahmt wurde, habe ich es mir kürzlich wieder gekauft. Amazon schickt einem so etwas innerhalb nützlicher Zeit über den Teich. Ich hätte mir natürlich auch die englische Ausgabe zulegen können, aber die scheint gerade vergriffen zu sein.
Es ist trotzdem seltsam, das Buch nach so vielen Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Mit welcher Figur aus dem Buch sollte ich mich nun identifizieren? Etwa mit Melcher? Wahrscheinlich eher mit Tjorven. Die ist gewissermaßen alterslos.
Zum Lesen setze ich mich auf den Balkon, und die Sonne sticht noch ganz ordentlich, aber es ist September, und das Semester hat schon wieder angefangen. Man hat in Michigan wirklich das Gefühl, als finge die Uni mitten in den Ferien an. Weil es noch so warm ist. Am Ende des Semesters wird es dann Winter sein.
Aber immerhin steht diese sonnige Lektüre künftig in meinem Bücherregal. Ein bisschen Meer und Mittsommer zum Nachschlagen zwischen zwei Buchdeckeln. Denn so viel Sommer hat im richtigen Leben sowieso kein Mensch. Nicht einmal in Schweden.
Das schreibt Malin in ihr Tagebuch. Und recht hat sie. Malin, das ist die älteste Tochter des Schriftstellers Melcher, der mit seinen insgesamt vier Kindern „Ferien auf Saltkrokan“ macht. Ich bin einmal mit einer Fähre durch die Schären vor Stockholm gefahren, aber das war natürlich kein kleiner tuckernder Dampfer wie im Buch von Astrid Lindgren, sondern eines dieser riesigen Schiffe, die nicht zu einer kleinen Insel fahren, sondern schnurstracks nach Finnland. Immerhin, es gab damals einen roten Abendhimmel, und als die Fähre durch die Schärenlandschaft glitt, winkten manchmal sogar Leute. Ich glaube allerdings nicht, dass wir an einer Insel vorbeikamen, die Astrid Lindgren als Vorbild gedient haben könnte. Dafür sah alles viel zu aufgeräumt und gediegen aus. Mehr Villen als bunte Sommerhäuser.
„Ferien auf Saltkrokan“, das war für mich immer die ultimative Sommersehnsuchtslektüre. Weil das Buch in meinem Elternhaus zurückgeblieben war und längst von meiner Schwester beschlagnahmt wurde, habe ich es mir kürzlich wieder gekauft. Amazon schickt einem so etwas innerhalb nützlicher Zeit über den Teich. Ich hätte mir natürlich auch die englische Ausgabe zulegen können, aber die scheint gerade vergriffen zu sein.
Es ist trotzdem seltsam, das Buch nach so vielen Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Mit welcher Figur aus dem Buch sollte ich mich nun identifizieren? Etwa mit Melcher? Wahrscheinlich eher mit Tjorven. Die ist gewissermaßen alterslos.
Zum Lesen setze ich mich auf den Balkon, und die Sonne sticht noch ganz ordentlich, aber es ist September, und das Semester hat schon wieder angefangen. Man hat in Michigan wirklich das Gefühl, als finge die Uni mitten in den Ferien an. Weil es noch so warm ist. Am Ende des Semesters wird es dann Winter sein.
Aber immerhin steht diese sonnige Lektüre künftig in meinem Bücherregal. Ein bisschen Meer und Mittsommer zum Nachschlagen zwischen zwei Buchdeckeln. Denn so viel Sommer hat im richtigen Leben sowieso kein Mensch. Nicht einmal in Schweden.
Monday, March 18, 2013
Schließen, Schloss, geschlossen
Kürzlich behandelte ich mit meinen Studenten die Wortfamilie „schließen“, inklusive aller Ablautbildungen. In einem Text über Eigentümlichkeiten der Deutschen ging es unter anderem um die Vorliebe für geschlossene Türen, was die Klasse mit einem Achselzucken abtat. Andere Länder, andere Sitten, soweit sind meine Studenten schon. Verwirrend fanden sie hingegen das Vokabular selbst, und das eigenwillige Verhalten der Vokale in Ablautreihen schien ihnen zum ersten Mal so richtig bewusst zu werden. Er schließt, er schloss, er hat geschlossen – na prima, und dabei ist das noch ein eher einfaches Beispiel. Der Schlüssel passt ins Schloss, wie schön, aber woher soll man wissen, dass mit Letzterem nicht castle, sondern lock gemeint ist. Und überhaupt: Wer soll sich das alles merken?
Wahrscheinlich kamen sie in jener Unterrichtsstunde zum Schluss, dass im Deutschen nur auf Konsonanten wirklich Verlass ist. Und dann muss man immer noch sehen, wie man mit „ß“ und „ss“ klarkommt. Die Ärmsten.
Bald hatte ich die Tafel mit lauter schlüssigen Wörtern vollgeschrieben, und während sich meine Studenten eifrig Notizen machten, dachte ich weiter über Schlösser nach, und damit meine ich nun die Schlösser, die ursprünglich deswegen so hießen, weil sie ein Tal oder einen strategischen Punkt verriegelten. Und da fiel mir auch wieder unser Schlüssel-Erlebnis von einst ein.
Es ist nun schon etliche Jährchen her, aber es war ungefähr um diese Zeit im März, als wir die Gegend um den Gardasee eroberten und beschlossen, dass uns dieser Teil Italiens besonders gut gefiel. Obwohl wir den Rest des Landes nicht wirklich kannten. Aber viel besser wird’s einfach nicht. Gegrillte Forellen aus dem Gardasee, und zum Nachtisch Kunst und Kultur. Nachdem wir schon einige Scaligerburgen in Seenähe besichtigt hatten, wollten wir unbedingt auch Schloss Soave sehen – ein besonders eindrucksvolles Beispiel, wie wir vom Weinetikett wussten. Wir fuhren dann durch eine Frühlingslandschaft, die noch wenig Blüten, aber schon viel frisches Grün zeigte, ließen für diesmal Verona links liegen und kamen schon bald nach Soave. Die Burg mit ihren Ringmauern, Schwalbenschwanzzinnen und Türmen, die den kleinen Weinort überragt, sieht auf aktuellen Fotos immer noch so malerisch aus, wie ich sie in Erinnerung habe; wir waren damals jedenfall sehr beeindruckt. Obwohl es solche Burgen in dieser Ecke Italiens im Dutzend gibt, aber man kriegt den Anblick so schnell nicht satt.
Wir stiegen hinauf, und es stellte sich heraus, dass wir die einzigen Besucher waren. Vorsaison. Das Eingangstor war verschlossen, aber wir hatten bereits herausgefunden, dass es in Italien für historische Gebäude eigentlich immer eine Schlüsselaufbewahrung gibt. Und tatsächlich: In einem Wohnhaus in der Nähe, an das ich mich nur schwach erinnere, fand sich eine junge Frau, die uns mit dem Schlüssel zum Schloss begleitete. Und mit was für einem Schlüssel! Es war zweifellos der größte, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Augenscheinlich ließ er sich jedoch leicht umdrehen, als er endlich im Schloss steckte, und wir gingen hinein. Wobei man erwähnen sollte, dass vom Schloss außer Mauern und Treppen sowie etlichen dunklen Winkeln nicht viel übrig war. Aber es war lustig, darin herumzusteigen. Und damit komme ich zum Schluss dieser Geschichte, die gänzlich ohne Pointe auskommen muss.
Etwas fällt mir allerdings noch ein: Auf der Rückfahrt kamen wir in der Nähe eines Gehöfts an einem großen Gestell vorbei, das von weitem wie mit lauter Geigen behängt aussah. Wie sich herausstellte, hingen da aber keine Geigen, sondern bloß Teile vom Schwein – mächtige Schinken, die entsprechend ihrer kulinarischen Bestimmung in der Märzensonne trockneten. Das hat nun rein gar nichts mit der Schlossgeschichte zu tun, aber es war auch sehr schön.
Wahrscheinlich kamen sie in jener Unterrichtsstunde zum Schluss, dass im Deutschen nur auf Konsonanten wirklich Verlass ist. Und dann muss man immer noch sehen, wie man mit „ß“ und „ss“ klarkommt. Die Ärmsten.
Bald hatte ich die Tafel mit lauter schlüssigen Wörtern vollgeschrieben, und während sich meine Studenten eifrig Notizen machten, dachte ich weiter über Schlösser nach, und damit meine ich nun die Schlösser, die ursprünglich deswegen so hießen, weil sie ein Tal oder einen strategischen Punkt verriegelten. Und da fiel mir auch wieder unser Schlüssel-Erlebnis von einst ein.
Es ist nun schon etliche Jährchen her, aber es war ungefähr um diese Zeit im März, als wir die Gegend um den Gardasee eroberten und beschlossen, dass uns dieser Teil Italiens besonders gut gefiel. Obwohl wir den Rest des Landes nicht wirklich kannten. Aber viel besser wird’s einfach nicht. Gegrillte Forellen aus dem Gardasee, und zum Nachtisch Kunst und Kultur. Nachdem wir schon einige Scaligerburgen in Seenähe besichtigt hatten, wollten wir unbedingt auch Schloss Soave sehen – ein besonders eindrucksvolles Beispiel, wie wir vom Weinetikett wussten. Wir fuhren dann durch eine Frühlingslandschaft, die noch wenig Blüten, aber schon viel frisches Grün zeigte, ließen für diesmal Verona links liegen und kamen schon bald nach Soave. Die Burg mit ihren Ringmauern, Schwalbenschwanzzinnen und Türmen, die den kleinen Weinort überragt, sieht auf aktuellen Fotos immer noch so malerisch aus, wie ich sie in Erinnerung habe; wir waren damals jedenfall sehr beeindruckt. Obwohl es solche Burgen in dieser Ecke Italiens im Dutzend gibt, aber man kriegt den Anblick so schnell nicht satt.
Wir stiegen hinauf, und es stellte sich heraus, dass wir die einzigen Besucher waren. Vorsaison. Das Eingangstor war verschlossen, aber wir hatten bereits herausgefunden, dass es in Italien für historische Gebäude eigentlich immer eine Schlüsselaufbewahrung gibt. Und tatsächlich: In einem Wohnhaus in der Nähe, an das ich mich nur schwach erinnere, fand sich eine junge Frau, die uns mit dem Schlüssel zum Schloss begleitete. Und mit was für einem Schlüssel! Es war zweifellos der größte, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Augenscheinlich ließ er sich jedoch leicht umdrehen, als er endlich im Schloss steckte, und wir gingen hinein. Wobei man erwähnen sollte, dass vom Schloss außer Mauern und Treppen sowie etlichen dunklen Winkeln nicht viel übrig war. Aber es war lustig, darin herumzusteigen. Und damit komme ich zum Schluss dieser Geschichte, die gänzlich ohne Pointe auskommen muss.
Etwas fällt mir allerdings noch ein: Auf der Rückfahrt kamen wir in der Nähe eines Gehöfts an einem großen Gestell vorbei, das von weitem wie mit lauter Geigen behängt aussah. Wie sich herausstellte, hingen da aber keine Geigen, sondern bloß Teile vom Schwein – mächtige Schinken, die entsprechend ihrer kulinarischen Bestimmung in der Märzensonne trockneten. Das hat nun rein gar nichts mit der Schlossgeschichte zu tun, aber es war auch sehr schön.
Saturday, December 24, 2011
Wo Seesterne am Christbaum hängen
Es gibt vieles, was ich an Deutschland vermisse – Weihnachtsmärkte gehören indessen nicht dazu. Zumal das Wetter selten richtig passt: Ich erinnere mich an meine Volontärszeit in Ulm, als den ganzen November über eisiges Winterwetter herrschte, aber sobald auf dem Münsterplatz die hölzernen Buden aufgestellt wurden, setzte Tauwetter ein. Der Weihnachtsmarkt im Schatten des Münsters war allerdings trotzdem stimmungsvoll, und es duftete herrlich. Es gab einen Stand, der nichts als Springerle verkaufte, allesamt kleine Kunstwerke. Sicher trank ich auch einen Glühwein.
Heutzutage höre ich "Let it snow" am liebsten in subtropischem Klima aus einem Lautsprecher plärren: Dass Palmen, Goldsterne und Kokosnüsse bestens zusammenpassen, lernte ich in Miami. Diesmal waren wir auf Siesta Key, in diesem Jahr zu „America’s Best Beach“ gekürt. Nachmittags stieg die Temperatur auf 80 Grad Fahrenheit. Zum Baden war der Golf von Mexiko zwar zu kalt, aber Strandspaziergänge in kurzen Hosen reichen mir für Dezember. Baden kann ich dann wieder im Sommer im Lake Michigan.
Florida in der Vorweihnachtszeit ist herrlich, zumal dann die besten Meeresfrüchte Saison haben. Ein Dutzend Austern, bitte! Mich stören nicht einmal die Tannenbäume aus Plastik, solange sie mit Seesternen und Muscheln geschmückt sind. Eines Abends, als wir auf der Einkaufsinsel St. Armand Key beim Bummeln waren, kam Santa auf einer roten Harley Davidson angefahren, und im Seitenwagen saßen vier weiße Malteserhündchen mit roten Schleifen. Als er „Ho-ho-ho“ rief, fingen sie an zu kläffen. Only in America.
Seit Dienstag sind wir wieder zurück. Es machte auch gar nichts, dass wir den Jeep auf dem Shuttle-Parkplatz diesmal nicht aus dem Schnee ausgraben mussten. Weiße Weihnachten? Der weiße Sand von Siesta Key Beach ist mir lieber. Mein Mann hat eine Plastikflasche voll abgefüllt und mitgebracht. Rieselt auch sehr schön.
Heutzutage höre ich "Let it snow" am liebsten in subtropischem Klima aus einem Lautsprecher plärren: Dass Palmen, Goldsterne und Kokosnüsse bestens zusammenpassen, lernte ich in Miami. Diesmal waren wir auf Siesta Key, in diesem Jahr zu „America’s Best Beach“ gekürt. Nachmittags stieg die Temperatur auf 80 Grad Fahrenheit. Zum Baden war der Golf von Mexiko zwar zu kalt, aber Strandspaziergänge in kurzen Hosen reichen mir für Dezember. Baden kann ich dann wieder im Sommer im Lake Michigan.
Florida in der Vorweihnachtszeit ist herrlich, zumal dann die besten Meeresfrüchte Saison haben. Ein Dutzend Austern, bitte! Mich stören nicht einmal die Tannenbäume aus Plastik, solange sie mit Seesternen und Muscheln geschmückt sind. Eines Abends, als wir auf der Einkaufsinsel St. Armand Key beim Bummeln waren, kam Santa auf einer roten Harley Davidson angefahren, und im Seitenwagen saßen vier weiße Malteserhündchen mit roten Schleifen. Als er „Ho-ho-ho“ rief, fingen sie an zu kläffen. Only in America.
Seit Dienstag sind wir wieder zurück. Es machte auch gar nichts, dass wir den Jeep auf dem Shuttle-Parkplatz diesmal nicht aus dem Schnee ausgraben mussten. Weiße Weihnachten? Der weiße Sand von Siesta Key Beach ist mir lieber. Mein Mann hat eine Plastikflasche voll abgefüllt und mitgebracht. Rieselt auch sehr schön.
Wednesday, August 17, 2011
Ein Lob auf den deutschen Italiener
Eine Fahrt über die German Autobahn im Spätsommer macht ganz schön sentimental. Die makellosen Straßenbeläge! Die lieblichen Landschaften links und rechts! Und erst die Windparks! Um vom Deutschland-High wieder herunterzukommen, empfiehlt sich eine Übernachtung in Kelsterbach. Bevor man endgültig abhebt. Das hessische Städtchen liegt gerade mal einen Steinwurf vom Frankfurter Flughafen entfernt, und für einen USA-Flug muss man früh dort sein. Sehr früh. Also übernachten wir immer in der „Tanne“, obwohl das Hotelzimmer bei jedem Besuch schäbiger wirkt. Die Damen an der Rezeption, das muss man der Gerechtigkeit halber sagen, sind allerdings gleichbleibend freundlich. Und als eine Art von Ausnüchterungszelle taugt das Etablissement allemal.
Kelsterbach, für das der Flughafen Segen und Fluch zugleich ist, hat alles, um einen wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückzuholen: Eine Tankstelle, bei der sich die Kunden gegenseitig im Weg sind und wo man sofort angeraunzt wird. Die Eckfiliale eines Supermarktes mit einem so trostlosen Angebot, dass man sofort auf dem Absatz kehrtmachen möchte. Völlig unbedeutende Restaurants. Das war jedenfalls bisher unserer Eindruck, aber zumindest in puncto Gastronomie müssen wir den nun wohl revidieren.
Ich hatte nämlich am Vorabend unseres Rückfluges die Idee, dass ein Essen beim Italiener ein schöner Abschluss wäre. Bei einem richtigen „deutschen Italiener“, versteht sich – damit meine ich eine Art von Ristorante, wie man es außerhalb Italiens nur in Deutschland finden kann: Ein volkstümliches Lokal mit anständigem Essen, wo die Einheimischen einkehren, wenn sie auswärts essen und vielleicht auch etwas feiern, aber nicht allzu viel Geld ausgeben wollen. Nichts Überkandideltes, keine großartigen kulinarischen Ansprüche, halt einfache gute Küche. Eine kurze Internet-Recherche ergab, dass das Ristorante „Osteria Nr. 1“ unter diese Kategorie fallen könnte.
Es war ein kühler Abend, und obwohl die Restaurantterrasse eine Plastikverhüllung hatte, wollte ich lieber drinnen sitzen. Der Innenraum der Gaststätte war klein, ich zählte neun Tische. Ein kleiner Tisch in der Mitte war noch frei. Der Wirt servierte höchstpersönlich, außerdem stand noch eine weibliche Bedienung an der Bar. Alles war, wie es zu sein hatte: An der Bar saß ein Stammgast vor seinem Glas Wein, meistens schweigsam, nur gelegentlich wechselte er ein paar Worte mit dem Wirt. Gäste kamen und gingen, manche wurden von der Bedienung mit Küsschen begrüßt beziehungsweise verabschiedet. An einem größeren Tisch befand sich eine fröhlich feiernde Runde; sie saßen einfach da und tranken und redeten. So lange sie wollten. In der Küche hörte man Töpfe klappern; es zischte und duftete nach Knoblauch.
Wie es sich für einen richtigen deutschen Italiener gehört, wurde mit Schwung serviert – und jeder Teller kam mit den passenden Vokabeln. „Pane! Insalata mista! Melanzane alla parmigiana!“ Italienisch für Restaurantbesucher, im Preis inbegriffen.
Das war alles recht unterhaltsam, und wir amüsierten uns prächtig. Es wurde aber auch deutlich, dass sich der Wirt unsere Begeisterung nur schwer erklären konnte. So sagte ich ihm, dass wir sonst in den USA lebten und uns freuten, wieder einmal bei einem richtigen Italiener essen zu können. Der gute Mann schien einigermaßen verblüfft. Dass auch manche Deutsche ihre Heimat verlassen, um im Ausland ihr Geld zu verdienen, war ihm wohl bisher noch nicht untergekommen. Aber warum sollte es anderen nicht genauso ergehen wie ihm? Jeder geht dorthin, wo er Arbeit findet. Manche Deutsche gehen nach Amerika. So ist das eben. Er überlegte kurz und sagte dann achselzuckend: „Und ich schaffe in Deutscheland!“
Kelsterbach, für das der Flughafen Segen und Fluch zugleich ist, hat alles, um einen wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückzuholen: Eine Tankstelle, bei der sich die Kunden gegenseitig im Weg sind und wo man sofort angeraunzt wird. Die Eckfiliale eines Supermarktes mit einem so trostlosen Angebot, dass man sofort auf dem Absatz kehrtmachen möchte. Völlig unbedeutende Restaurants. Das war jedenfalls bisher unserer Eindruck, aber zumindest in puncto Gastronomie müssen wir den nun wohl revidieren.
Ich hatte nämlich am Vorabend unseres Rückfluges die Idee, dass ein Essen beim Italiener ein schöner Abschluss wäre. Bei einem richtigen „deutschen Italiener“, versteht sich – damit meine ich eine Art von Ristorante, wie man es außerhalb Italiens nur in Deutschland finden kann: Ein volkstümliches Lokal mit anständigem Essen, wo die Einheimischen einkehren, wenn sie auswärts essen und vielleicht auch etwas feiern, aber nicht allzu viel Geld ausgeben wollen. Nichts Überkandideltes, keine großartigen kulinarischen Ansprüche, halt einfache gute Küche. Eine kurze Internet-Recherche ergab, dass das Ristorante „Osteria Nr. 1“ unter diese Kategorie fallen könnte.
Es war ein kühler Abend, und obwohl die Restaurantterrasse eine Plastikverhüllung hatte, wollte ich lieber drinnen sitzen. Der Innenraum der Gaststätte war klein, ich zählte neun Tische. Ein kleiner Tisch in der Mitte war noch frei. Der Wirt servierte höchstpersönlich, außerdem stand noch eine weibliche Bedienung an der Bar. Alles war, wie es zu sein hatte: An der Bar saß ein Stammgast vor seinem Glas Wein, meistens schweigsam, nur gelegentlich wechselte er ein paar Worte mit dem Wirt. Gäste kamen und gingen, manche wurden von der Bedienung mit Küsschen begrüßt beziehungsweise verabschiedet. An einem größeren Tisch befand sich eine fröhlich feiernde Runde; sie saßen einfach da und tranken und redeten. So lange sie wollten. In der Küche hörte man Töpfe klappern; es zischte und duftete nach Knoblauch.
Wie es sich für einen richtigen deutschen Italiener gehört, wurde mit Schwung serviert – und jeder Teller kam mit den passenden Vokabeln. „Pane! Insalata mista! Melanzane alla parmigiana!“ Italienisch für Restaurantbesucher, im Preis inbegriffen.
Das war alles recht unterhaltsam, und wir amüsierten uns prächtig. Es wurde aber auch deutlich, dass sich der Wirt unsere Begeisterung nur schwer erklären konnte. So sagte ich ihm, dass wir sonst in den USA lebten und uns freuten, wieder einmal bei einem richtigen Italiener essen zu können. Der gute Mann schien einigermaßen verblüfft. Dass auch manche Deutsche ihre Heimat verlassen, um im Ausland ihr Geld zu verdienen, war ihm wohl bisher noch nicht untergekommen. Aber warum sollte es anderen nicht genauso ergehen wie ihm? Jeder geht dorthin, wo er Arbeit findet. Manche Deutsche gehen nach Amerika. So ist das eben. Er überlegte kurz und sagte dann achselzuckend: „Und ich schaffe in Deutscheland!“
Thursday, March 24, 2011
Fotos von meiner Festplatte – Phlox in Florida

Florida kennt nicht wirklich vier Jahreszeiten, aber einen Frühling gibt es schon – zumindest in der nördlichen Hälfte des Bundesstaates. Und dann wird klar, warum der Eroberer Juan Ponce de Léon dieses Land „Florida“ nannte, als er 1513 an der östlichen Küste landete: Bis heute sprießen überall Blumen, sogar auf den mickrigen Grünstreifen zwischen Verkehrswegen. Das Foto habe ich vor genau drei Jahren aufgenommen, an der Straße, die nach Cedar Key führt. Von Weitem sah man nur einen pinkfarbenen Blütenteppich, aber aus der Nähe wurde schnell klar, worum es sich dabei handelte: um wilden Phlox. Auf Deutsch würde man Sommer-Phlox oder Einjähriger Phlox dazu sagen, im Englischen heißt die Pflanze Annual Phlox, und die botanische Bezeichnung ist Phlox drummondii. In Süd-Texas sind uns diese in kräftigem Rosa prangenden Straßenränder dann wieder begegnet, allerdings schon früher im Jahr, in der letzten Februarwoche. In Texas ist die Pflanze ursprünglich auch beheimatet, habe ich soeben gelernt.
Monday, February 21, 2011
Prickly Pig
„Was ist Ihr Lieblingswort?“, fragte ich meine Studenten in der Zusatzaufgabe eines Tests. Die Anworten reichten von kurzen Wörtern wie „Apfelsaft“ (Begründung: „weil es lustig zu sagen ist“) bis zu etwas länglicheren wie „Geschwindigkeitsbegrenzung“. Mein persönlicher Favorit war „Stachelschwein“. Vor allem deswegen, weil es die Studentin phonetisch geschrieben hatte – „Schtachelschwein“. Das sah besonders stachelig aus.
Als ich von der Existenz der Stachelschweine erfuhr, war ich noch ziemlich klein. Im Herbst 1971 muss das gewesen sein (ich habe es soeben nachgeschaut), und ich war demnach gerade in die dritte Klasse gekommen. Denn das war das Jahr, in dem Roy Black seinen letzten großen Hit landete: „Schön ist es auf der Welt zu sein...“, sang er mit der kleinen blonden Anita. Ich muss allerdings gestehen, dass ich damals nicht wusste, dass Klein-Anita blond war – wir hatten nämlich keinen Fernseher; ich hörte den Schlager im Radio. Die Unterhaltung zwischen Biene und Stachelschwein fand ich allerdings ziemlich albern. Und ich konnte mir beim besten Willen nichts darunter vorstellen. Wie so ein Stachelschwein wohl aussehen mochte?
Es sollten noch fast vier Jahrzehnte vergehen, bis ich ein lebendiges Stachelschwein zu Gesicht bekam – ein paar flache hatte ich auch vorher schon gesehen, als Roadkill am Straßenrand. Es war im Sommer vor zwei oder drei Jahren auf der Upper Peninsula, als wir ein Tier in einer merkwürdigen Aufmachung über die Straße huschen sahen. Wir fuhren mit dem Jeep scharf rechts ran (auf der UP kann man das), stiegen aus und traten an die Böschung. Dort kämpfte sich gerade ein Porcupine durchs Gestrüpp – das arme Tier blieb mit seinen langen quills überall hängen. Der stachelige Umhang sah nicht besonders praktisch aus. Aber er schützt sicher ungemein.
Als ich meinen Studenten bei der Testbesprechung erklärte, Stachelschwein hieße wörtlich übersetzt „prickly pig“, sorgte das für große Heiterkeit. Es ist jedenfalls ein sehr schönes Wort.
Als ich von der Existenz der Stachelschweine erfuhr, war ich noch ziemlich klein. Im Herbst 1971 muss das gewesen sein (ich habe es soeben nachgeschaut), und ich war demnach gerade in die dritte Klasse gekommen. Denn das war das Jahr, in dem Roy Black seinen letzten großen Hit landete: „Schön ist es auf der Welt zu sein...“, sang er mit der kleinen blonden Anita. Ich muss allerdings gestehen, dass ich damals nicht wusste, dass Klein-Anita blond war – wir hatten nämlich keinen Fernseher; ich hörte den Schlager im Radio. Die Unterhaltung zwischen Biene und Stachelschwein fand ich allerdings ziemlich albern. Und ich konnte mir beim besten Willen nichts darunter vorstellen. Wie so ein Stachelschwein wohl aussehen mochte?
Es sollten noch fast vier Jahrzehnte vergehen, bis ich ein lebendiges Stachelschwein zu Gesicht bekam – ein paar flache hatte ich auch vorher schon gesehen, als Roadkill am Straßenrand. Es war im Sommer vor zwei oder drei Jahren auf der Upper Peninsula, als wir ein Tier in einer merkwürdigen Aufmachung über die Straße huschen sahen. Wir fuhren mit dem Jeep scharf rechts ran (auf der UP kann man das), stiegen aus und traten an die Böschung. Dort kämpfte sich gerade ein Porcupine durchs Gestrüpp – das arme Tier blieb mit seinen langen quills überall hängen. Der stachelige Umhang sah nicht besonders praktisch aus. Aber er schützt sicher ungemein.
Als ich meinen Studenten bei der Testbesprechung erklärte, Stachelschwein hieße wörtlich übersetzt „prickly pig“, sorgte das für große Heiterkeit. Es ist jedenfalls ein sehr schönes Wort.
Thursday, February 3, 2011
Das Jahr des Hasen
Wenn mich jemand nach meinem Sternzeichen fragt, antworte ich stets: Mein Name ist Hase! Von chinesischen Tierkreiszeichen verstehe ich zwar nichts – aber sie sind mir allemal sympathischer als
Horoskope westlicher Prägung. „Luckiest of all signs. You are also talented and articulate“, steht auf einem mit dem chinesischen Zodiak bedruckten Platzdeckchen, das ich einmal aus einem China-Restaurant mitgenommen habe. Das hört man doch gern. „Affectionate, yet shy, you seek peace throughout your life. Marry a Sheep or a Boar!“ Das habe ich offenbar richtig gemacht, ohne es zu wissen. Ich habe ganz bestimmt nie darüber nachgedacht, ob es wohl gut ist, ein Wildschwein zu heiraten.
Jedenfalls beginnt heute das Jahr des Hasen – mein viertes. In meinem dritten Hasenjahr war ich in Japan. Meine Güte, ist das wirklich schon zwölf Jahre her? Dort kauften wir auch die Reisschälchen mit den Hasenmotiven, die auf dem Foto zu sehen sind.
Das Hasenjahr sei ein harmonisches und angenehmes, meinen die Chinesen. Das wünsche ich uns allen. Ein „9 course New Year dinner“ inklusive „Free Lion Dance“ bietet das nächstgelegene chinesische Restaurant in den nächsten Tagen an. Das sollte man sich glatt überlegen.
Happy New Year!
Horoskope westlicher Prägung. „Luckiest of all signs. You are also talented and articulate“, steht auf einem mit dem chinesischen Zodiak bedruckten Platzdeckchen, das ich einmal aus einem China-Restaurant mitgenommen habe. Das hört man doch gern. „Affectionate, yet shy, you seek peace throughout your life. Marry a Sheep or a Boar!“ Das habe ich offenbar richtig gemacht, ohne es zu wissen. Ich habe ganz bestimmt nie darüber nachgedacht, ob es wohl gut ist, ein Wildschwein zu heiraten. Jedenfalls beginnt heute das Jahr des Hasen – mein viertes. In meinem dritten Hasenjahr war ich in Japan. Meine Güte, ist das wirklich schon zwölf Jahre her? Dort kauften wir auch die Reisschälchen mit den Hasenmotiven, die auf dem Foto zu sehen sind.
Das Hasenjahr sei ein harmonisches und angenehmes, meinen die Chinesen. Das wünsche ich uns allen. Ein „9 course New Year dinner“ inklusive „Free Lion Dance“ bietet das nächstgelegene chinesische Restaurant in den nächsten Tagen an. Das sollte man sich glatt überlegen.
Happy New Year!
Saturday, June 12, 2010
Fotos von meiner Festplatte – Lake Michigan macht blau

Ich gebe zu, auf dem Bild ist ist nicht sehr viel zu sehen: eine gelangweilte Möwe, ein Stück Sandstrand und viel Wasser. Blaues Wasser bis zum Horizont, dann noch ein Stück Himmel. Ich habe es vor ziemlich genau vier Jahren aufgenommen, weil mich das Blau so beeindruckte – genauer gesagt, die vielen Tönungen von Blau, die Lake Michigan oft zeigt (und nein, das ist nicht getrickst). Das war am Strand von Ludington, an dem man meilenweit gehen kann, ohne eine menschliche Behausung zu sehen (den dekorativen Leuchtturm zähle ich nicht dazu). Wie beeindruckend weitläufig dieser Beach mit den Dünen dahinter ist, haben wir erst kürzlich wieder von der S.S. Badger aus gesehen, bei der Überfahrt von Ludington nach Manitowoc. Aber das ist eine andere Geschichte.
Mehr zum Thema auf suite101: Ludington, attraktivster State Park in Michigan, lohnt den Umweg
Monday, May 3, 2010
Fotos von meiner Festplatte – Mein erster Alligator

Ich weiß nicht mehr, wie wir auf die Idee gekommen waren, am Tamiami-Trail nach Alligatoren Ausschau zu halten. Ich vermute, die Schilder am Straßenrand waren schuld: „Do not approach Alligators.“ Daraus schlossen wir, dass man die Gators in dieser Gegend einfacher zu sehen kriegt als sonstwo – Florida ist voll von Alligatoren, aber manchmal tarnen sie sich ganz gut. Vor allem für Touristen. Aber als wir kurz nach dem Miniatur-Postamt von Ochopee in eine nicht-asphaltierte Seitenstraße einbogen, hatten wir Erfolg: Da lagen sie in der Sonne. Am Ufer eines Kanals, aufgereiht wie Perlen auf einer Kette. Okay, das ist ein schlechtes Bild, aber ich hatte noch nie zuvor so viele Tiere auf so engem Raum versammelt gesehen, nicht einmal im Zoo. Und es war mir ganz recht, dass die urzeitlich aussehenden Viecher mit dem fiesen Grinsen auf der anderen Seite des Kanals lagen. Andererseits ist es in Florida nicht immer ganz einfach, Abstand zu Alligatoren zu halten. Als wir eine Station weiter an einem Tümpel hielten, stellte sich heraus, dass wir direkt neben einem Gator geparkt hatten.
Mehr zum Thema auf suite101: Alligatoren sehen und essen – in Florida am Tamiami-Trail
Sunday, February 28, 2010
Fotos von meiner Festplatte – The Bean

Als ein Studienkollege meines Mannes vor ein paar Jahren zu Forschungszwecken von Sydney nach Chicago kam, vereinbarten wir ein Treffen. Der Treffpunkt? „The Bean“, die bohnenförmige Skulptur im Millennium-Park. Die Verabredung klappte tadellos – und hatte Stil. Auch in Chicago verabreden sich die Leute mit Vorliebe bei diesem Kunstwerk aus poliertem Stahl, das offiziell „Cloud Gate“ heißt. Vor einem Jahr waren wir wieder einmal dort; bei dieser Gelegenheit entstand auch das Bild. Es war sehr kalt, aber die Sonne schien und der Himmel war perfekt: Am schönsten ist „The Bean“, wenn sich tatsächlich Wolken darin spiegeln. Und man kann nicht nur um das Kunstwerk herumgehen, wie es sich für eine Skulptur gehört, sondern auch unten durch. Kein Wunder, dass dieses wundersame Spiegel-Ei seit der Eröffnung des Millennium-Parks im Jahr 2004 zum Publikumsliebling avanciert ist.
Mehr zum Thema auf suite101: Der Millennium Park in Chicago
Wednesday, October 21, 2009
Happy Birthday, Guggenheim!
50 Jahre alt und kein bisschen von gestern: Das Guggenheim-Museum ist sicher das ungewöhnlichste Gebäude in Manhattan – und heutzutage gewiss eine bedeutendere Ikone als
das Empire State Building (auf dem Foto rechts unten zu sehen). An Wolkenkratzer hat man sich inzwischen gewöhnt. Ein Bauwerk, das (jedenfalls aus amerikanischer Sicht) ein bisschen aussieht wie eine umgedrehte Hochzeitstorte, ist auch nach einem halben Jahrhundert ganz klar eine Sensation. Frank Lloyd Wright gelang mit dem Guggenheim ein Geniestreich.
Die Spirale von oben nach unten zu durchlaufen ist ein fantastisches Raumerlebnis, das einem mittels (absichtlich aufgebauter) Absperrungen allerdings etwas vergällt wird. Als wir Anfang August dort waren, machten wir das gleich zwei Mal hintereinander. Und dabei wurde vor allem eines klar: Bilder stören in einem solchen Bauwerk nur. Das Museum ist das Kunstwerk.
Der Architekt erlebte die Eröffnung allerdings nicht mehr: Wright starb am 9. April 1959.
das Empire State Building (auf dem Foto rechts unten zu sehen). An Wolkenkratzer hat man sich inzwischen gewöhnt. Ein Bauwerk, das (jedenfalls aus amerikanischer Sicht) ein bisschen aussieht wie eine umgedrehte Hochzeitstorte, ist auch nach einem halben Jahrhundert ganz klar eine Sensation. Frank Lloyd Wright gelang mit dem Guggenheim ein Geniestreich. Die Spirale von oben nach unten zu durchlaufen ist ein fantastisches Raumerlebnis, das einem mittels (absichtlich aufgebauter) Absperrungen allerdings etwas vergällt wird. Als wir Anfang August dort waren, machten wir das gleich zwei Mal hintereinander. Und dabei wurde vor allem eines klar: Bilder stören in einem solchen Bauwerk nur. Das Museum ist das Kunstwerk.
Der Architekt erlebte die Eröffnung allerdings nicht mehr: Wright starb am 9. April 1959.
Thursday, May 7, 2009
Das Reisen in Zeiten der Schweinegrippe
„For all domestic and international flights, the U.S. threat level is High, or Orange“, sagt eine Stimme aus dem Flughafen-Lautsprecher. Das bezieht sich immer noch auf die Bedrohung durch Terroristen, nicht Viren. Wir ziehen also wie gewohnt unsere Jacken, Gürtel und Schuhe aus und verstauen sie in den schmuddligen grauen Plastikschalen, die ich an diesem Tag besonders ungern anfasse. Hilft Desinfizieren gegen den Feind?
In Nashville haben wir einen längeren Aufenthalt, länger als gedacht – der Flieger nach San Antonio kommt aus Kansas, und dort toben heftige Unwetter. Wir versuchen uns die Zeit zu vertreiben, inspizieren die Flughafen-Shops. Auf den Fernsehschirmen in den Wartebereichen läuft CNN; ungewöhnlich viele Reisende verfolgen das Programm. Der Präsident hält gerade eine Pressekonferenz zu seinen ersten hundert Tagen im Amt. Eine Journalistin fragt ihn, ob er beabsichtige, wegen der Schweinegrippe die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko zu schließen. Nein, sagt Barack Obama. „It would be akin to closing the barn door after the horses are out.“ Wenn die Pferde erst weggelaufen sind, bringt es auch nichts mehr, die Stalltür zu schließen.
Ich gehe aufs Klo. Dort gibt es einen Stau am Waschbecken, weil sich alle mit nie gesehener Gründlichkeit die Hände schrubben. An den Spiegeln hängt eine kopierte Anweisung, wie man das am besten macht. Händewaschen nach dem Gang zur Toilette ist in Amerika nicht für alle selbstverständlich, wie gelegentliche Umfragen belegen. Aber jetzt herrscht offenbar Handwaschzwang. Eine Atemschutzmaske trägt allerdings so gut wie niemand.
Auch in San Antonio, wo wir spät in der Nacht ankommen, herrscht nicht gerade Schweinegrippen-Panik, obwohl im südlichen Teil von Texas bereits eine ganze Reihe von Krankheitsfällen
gemeldet sind. Am River Walk ist abends ein unglaubliches Gedränge. Wie üblich, nehme ich an. Das größte Risiko hier: in den Fluss zu fallen.
An unserem zweiten Tag in Texas fahren wir ein wenig durch die Gegend. Irgendwo nördlich von San Antonio, wo sich spanische Ortsnamen mit deutschen und englischen abwechseln, kommen wir an einem seltsam verrammelten Schulgebäude vorbei. „Haben die gerade Ferien?“, wundert sich mein Mann. Nein, das kann nicht sein. Ich tippe mal auf Schweinegrippe. Wenig später halten wir beim Bergheim General Store, im Jahr 1903 gegründet von einem gebürtigen Österreicher namens Andreas Engel. Neben allen Dingen, die man zum Überleben braucht, darunter auch Jeans der Marke Wrangler und Cowboy-Stiefel, liegt dort eine Zeitung aus. Dieser entnehme ich, dass im Ort Cibolo mehrere Schüler an Schweinegrippe erkrankt sind und daher die Schulen im Bezirk Comal bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Comal County, da sind wir gerade.
Wir fahren weiter durch die hügelige Landschaft. Aus dem Radio tönt Countrymusik, ja genau, und am Straßenrand verblühen gerade die letzten Blue Bonnets. Muss ziemlich beeindruckend aussehen, wenn ganze Landstriche blau leuchten. Aber dafür sind wir ein paar Wochen zu spät dran. Gelegentlich kommen wir an einer Ranch vorbei, deren Eingangstor ein ausgebleichter Longhorn-Schädel schmückt. „Don’t mess with Texas“, steht auf einem Straßenschild.
Hoffentlich wissen das die Viren auch schon.
In Nashville haben wir einen längeren Aufenthalt, länger als gedacht – der Flieger nach San Antonio kommt aus Kansas, und dort toben heftige Unwetter. Wir versuchen uns die Zeit zu vertreiben, inspizieren die Flughafen-Shops. Auf den Fernsehschirmen in den Wartebereichen läuft CNN; ungewöhnlich viele Reisende verfolgen das Programm. Der Präsident hält gerade eine Pressekonferenz zu seinen ersten hundert Tagen im Amt. Eine Journalistin fragt ihn, ob er beabsichtige, wegen der Schweinegrippe die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko zu schließen. Nein, sagt Barack Obama. „It would be akin to closing the barn door after the horses are out.“ Wenn die Pferde erst weggelaufen sind, bringt es auch nichts mehr, die Stalltür zu schließen.
Ich gehe aufs Klo. Dort gibt es einen Stau am Waschbecken, weil sich alle mit nie gesehener Gründlichkeit die Hände schrubben. An den Spiegeln hängt eine kopierte Anweisung, wie man das am besten macht. Händewaschen nach dem Gang zur Toilette ist in Amerika nicht für alle selbstverständlich, wie gelegentliche Umfragen belegen. Aber jetzt herrscht offenbar Handwaschzwang. Eine Atemschutzmaske trägt allerdings so gut wie niemand.
Auch in San Antonio, wo wir spät in der Nacht ankommen, herrscht nicht gerade Schweinegrippen-Panik, obwohl im südlichen Teil von Texas bereits eine ganze Reihe von Krankheitsfällen
gemeldet sind. Am River Walk ist abends ein unglaubliches Gedränge. Wie üblich, nehme ich an. Das größte Risiko hier: in den Fluss zu fallen.An unserem zweiten Tag in Texas fahren wir ein wenig durch die Gegend. Irgendwo nördlich von San Antonio, wo sich spanische Ortsnamen mit deutschen und englischen abwechseln, kommen wir an einem seltsam verrammelten Schulgebäude vorbei. „Haben die gerade Ferien?“, wundert sich mein Mann. Nein, das kann nicht sein. Ich tippe mal auf Schweinegrippe. Wenig später halten wir beim Bergheim General Store, im Jahr 1903 gegründet von einem gebürtigen Österreicher namens Andreas Engel. Neben allen Dingen, die man zum Überleben braucht, darunter auch Jeans der Marke Wrangler und Cowboy-Stiefel, liegt dort eine Zeitung aus. Dieser entnehme ich, dass im Ort Cibolo mehrere Schüler an Schweinegrippe erkrankt sind und daher die Schulen im Bezirk Comal bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Comal County, da sind wir gerade.
Wir fahren weiter durch die hügelige Landschaft. Aus dem Radio tönt Countrymusik, ja genau, und am Straßenrand verblühen gerade die letzten Blue Bonnets. Muss ziemlich beeindruckend aussehen, wenn ganze Landstriche blau leuchten. Aber dafür sind wir ein paar Wochen zu spät dran. Gelegentlich kommen wir an einer Ranch vorbei, deren Eingangstor ein ausgebleichter Longhorn-Schädel schmückt. „Don’t mess with Texas“, steht auf einem Straßenschild.
Hoffentlich wissen das die Viren auch schon.
Sunday, April 5, 2009
Wüstenfrühling
Vor ziemlich genau vier Jahren waren wir im Death Valley.
Über das „Tal des Todes“ hatte ich schon in meiner Jugend im Bildband „Schöne geheimnisvolle Welt“ gelesen – ich besitze ihn übrigens immer noch. Der Band nährte lange meine Reiseträume. Noch so ein Reisewunsch: einmal die Wüstenblüte zu sehen, über die vor vielen Jahren ein Artikel im „Spiegel“ kam.
Im Winter 2004/05 regnete es in Südkalifornien ungewöhnlich viel; die Medien berichteten ständig
darüber. Und dann kamen die ersten Bilder aus dem üppig blühenden Death Valley. Als mir dann noch dämmerte, dass es von Las Vegas aus praktisch nur ein Katzensprung ins „Tal des Todes“ ist, kaufte ich zwei Flugtickets. Leider kam der Koffer nicht gleichzeitig mit uns an, und so brachen wir am ersten Morgen in Vegas reichlich zerknittert ins Death Valley auf. Als wir über den Salsberry- und den Jubilee-Pass in ein duftendes und blühendes Tal einfuhren, mit der im Frühling noch weitgehend schneebedeckten Panamint-Kette als Kulisse, war der textile Notstand vergessen. Es war schlichtweg umwerfend.
Der Koffer kam dann doch noch, und an den nächsten beiden Tagen starteten wir etwas besser ausgerüstet zu unseren Exkursionen. Wir waren im „Plaza“ abgestiegen, und um in die Garage zu kommen, musste man durchs hauseigene Kasino. Dort saßen morgens um neun schon die ersten Gäste mit Drink und Zigarette an den einarmigen Banditen. Es sah bestimmt lustig aus, wie wir da mit Wanderstiefeln und Rucksack durch die Spielhalle marschierten.
Bis heute habe ich allerdings kein einziges der schicken Kasinos am Strip von innen gesehen. Vielleicht sollten wir wieder einmal nach Las Vegas fliegen.
Mehr zum Thema auf suite101: Frühling im Death Valley National Park
Über das „Tal des Todes“ hatte ich schon in meiner Jugend im Bildband „Schöne geheimnisvolle Welt“ gelesen – ich besitze ihn übrigens immer noch. Der Band nährte lange meine Reiseträume. Noch so ein Reisewunsch: einmal die Wüstenblüte zu sehen, über die vor vielen Jahren ein Artikel im „Spiegel“ kam.
Im Winter 2004/05 regnete es in Südkalifornien ungewöhnlich viel; die Medien berichteten ständig
darüber. Und dann kamen die ersten Bilder aus dem üppig blühenden Death Valley. Als mir dann noch dämmerte, dass es von Las Vegas aus praktisch nur ein Katzensprung ins „Tal des Todes“ ist, kaufte ich zwei Flugtickets. Leider kam der Koffer nicht gleichzeitig mit uns an, und so brachen wir am ersten Morgen in Vegas reichlich zerknittert ins Death Valley auf. Als wir über den Salsberry- und den Jubilee-Pass in ein duftendes und blühendes Tal einfuhren, mit der im Frühling noch weitgehend schneebedeckten Panamint-Kette als Kulisse, war der textile Notstand vergessen. Es war schlichtweg umwerfend. Der Koffer kam dann doch noch, und an den nächsten beiden Tagen starteten wir etwas besser ausgerüstet zu unseren Exkursionen. Wir waren im „Plaza“ abgestiegen, und um in die Garage zu kommen, musste man durchs hauseigene Kasino. Dort saßen morgens um neun schon die ersten Gäste mit Drink und Zigarette an den einarmigen Banditen. Es sah bestimmt lustig aus, wie wir da mit Wanderstiefeln und Rucksack durch die Spielhalle marschierten.
Bis heute habe ich allerdings kein einziges der schicken Kasinos am Strip von innen gesehen. Vielleicht sollten wir wieder einmal nach Las Vegas fliegen.
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Sunday, April 13, 2008
Amerikas älteste Stadt
Die Stadt kommt einem bis heute spanisch vor. Oder sagen wir einmal, südeuropäisch. Eine richtige Burg aus dem 17. Jahrhundert! Eine Altstadt zum Flanieren. Aus Stein gemauerte Häuser mit luftigen Veranden und schattigen Innenhöfen. In St. Augustine an Floridas Nordostküste
könnte man fast meinen, man befände sich auf der anderen Seite des Atlantiks. Pedro Menéndez de Avilés gründete die Stadt im Jahr 1565 – lange, bevor sich die Mayflower auf den Weg machte.
Aber altes Gemäuer ist nicht alles. Was einen Aufenthalt in der ältesten Stadt der USA besonders angenehm macht, ist die Gastronomie. Es gibt Fisch und Meeresfrüchte satt, und was aus dem Ozean kommt, ist in der Regel auch solide zubereitet. Zu den interessantesten Gerichten, die wir in St. Augustine probierten, gehörte eine "Minorcan Style Clam Chowder". Minorcan bedeutet nach der Art von Menorca – von der spanischen Insel kamen einst viele Siedler, die sich schließlich in St. Augustine niederließen. Wie alle Immigranten brachten sie ihre Rezepte mit. Wer die New England Clam Chowder, die in ihrer Konsistenz oft an Pudding erinnert, nicht so gerne mag, sollte einmal die Muschelsuppe aus St. Augustine probieren: Diese Variante ist pikant gewürzt und schmeckt nach Thymian, Sonne und Süden.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Suppe nun wirklich menorquinisch oder spanisch schmeckt. Aber sie war jedenfalls zum Löffelablecken gut.
Mehr zum Thema auf suite101: Florida entdecken in St. Augustine und Floridas vielfältige Küche
könnte man fast meinen, man befände sich auf der anderen Seite des Atlantiks. Pedro Menéndez de Avilés gründete die Stadt im Jahr 1565 – lange, bevor sich die Mayflower auf den Weg machte.Aber altes Gemäuer ist nicht alles. Was einen Aufenthalt in der ältesten Stadt der USA besonders angenehm macht, ist die Gastronomie. Es gibt Fisch und Meeresfrüchte satt, und was aus dem Ozean kommt, ist in der Regel auch solide zubereitet. Zu den interessantesten Gerichten, die wir in St. Augustine probierten, gehörte eine "Minorcan Style Clam Chowder". Minorcan bedeutet nach der Art von Menorca – von der spanischen Insel kamen einst viele Siedler, die sich schließlich in St. Augustine niederließen. Wie alle Immigranten brachten sie ihre Rezepte mit. Wer die New England Clam Chowder, die in ihrer Konsistenz oft an Pudding erinnert, nicht so gerne mag, sollte einmal die Muschelsuppe aus St. Augustine probieren: Diese Variante ist pikant gewürzt und schmeckt nach Thymian, Sonne und Süden.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Suppe nun wirklich menorquinisch oder spanisch schmeckt. Aber sie war jedenfalls zum Löffelablecken gut.
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Sunday, March 23, 2008
Spitze Flosse
Bei unserem Osterspaziergang am Ozean schaue ich den braunen Pelikanen beim Jagen zu: Sie stürzen senkrecht aus dem blauen Himmel ins Wasser, den langen Schnabel voran, und schon ist die Beute eingesackt. Sieht ziemlich einfach aus. Im Gegensatz zu den Regenpfeifern, die den ganzen Tag am Strand entlangflitzen und hin und wieder in den Sand picken, müssen Pelikane nur wenig Zeit zur Nahrungsbeschaffung aufwenden. So haben sie genug Muße, stundenlang auf
einem Pier zu sitzen und den Anglern zuzusehen. Oder für die Fotografen zu posieren.
Plötzlich bemerke ich weiter draußen im Wasser noch etwas anderes: eine dunkle, spitze Rückenflosse. Nein, nicht eine – viele. Dann springt etwas ziemlich Stromlinienförmiges über die Wellen. Und gleich noch einmal. Schwupps! Ein munteres Völkchen tummelt sich da. Aber was genau?
Wir fragen einen Angler, der gemeinsam mit Sohn und Enkel darauf wartet, dass endlich etwas anbeißt. Offenbar konzentriert er sich dabei auf kleinere Fische – er hat jedenfalls nichts gesehen. Sein Enkel läuft Slalom um die Angelruten, die im Sand stecken. Was da draußen schwimmen könnte? „Delfine. Oder Haie“, sagt der Alte mit dem wettergegerbten Gesicht. „Kürzlich lagen zwei Haie hier am Strand.“
Haie?
Weiter vorne am Beach planschen fröhlich Kinder im Wasser. Andererseits: Warum sollte es hier am Golf von Mexiko keine Haie geben? „Yes, they are in the water“, steht in meinem Reiseführer. „At any given time there are a dozen or more just offshore, but for the most part they will leave you alone. To avoid being bitten, stay out of the water if there is a strong scent of fish oil in the air, which means that fish are already being eaten and you may be bitten by mistake.” Oder vielleicht haben sie auch Lust auf ein Dessert?
Nach gründlicher Konsultation meines “Field Guide to Florida” beschließe ich allerdings, dass wir Delfine gesehen haben. Sie tummeln sich offenbar gerne im flachen Wasser, und dass sie so mir nichts dir nichts über die Wellen springen, ist bekannt. Haie sehen anders aus, silbern mit seitlichem Kühlergrill. Ihre Rückenflosse ist zudem dreieckig, nicht sichelförmig.
Falls es einmal auffällig nach Fischöl riechen sollte, bin ich jedenfalls gewarnt.
einem Pier zu sitzen und den Anglern zuzusehen. Oder für die Fotografen zu posieren. Plötzlich bemerke ich weiter draußen im Wasser noch etwas anderes: eine dunkle, spitze Rückenflosse. Nein, nicht eine – viele. Dann springt etwas ziemlich Stromlinienförmiges über die Wellen. Und gleich noch einmal. Schwupps! Ein munteres Völkchen tummelt sich da. Aber was genau?
Wir fragen einen Angler, der gemeinsam mit Sohn und Enkel darauf wartet, dass endlich etwas anbeißt. Offenbar konzentriert er sich dabei auf kleinere Fische – er hat jedenfalls nichts gesehen. Sein Enkel läuft Slalom um die Angelruten, die im Sand stecken. Was da draußen schwimmen könnte? „Delfine. Oder Haie“, sagt der Alte mit dem wettergegerbten Gesicht. „Kürzlich lagen zwei Haie hier am Strand.“
Haie?
Weiter vorne am Beach planschen fröhlich Kinder im Wasser. Andererseits: Warum sollte es hier am Golf von Mexiko keine Haie geben? „Yes, they are in the water“, steht in meinem Reiseführer. „At any given time there are a dozen or more just offshore, but for the most part they will leave you alone. To avoid being bitten, stay out of the water if there is a strong scent of fish oil in the air, which means that fish are already being eaten and you may be bitten by mistake.” Oder vielleicht haben sie auch Lust auf ein Dessert?
Nach gründlicher Konsultation meines “Field Guide to Florida” beschließe ich allerdings, dass wir Delfine gesehen haben. Sie tummeln sich offenbar gerne im flachen Wasser, und dass sie so mir nichts dir nichts über die Wellen springen, ist bekannt. Haie sehen anders aus, silbern mit seitlichem Kühlergrill. Ihre Rückenflosse ist zudem dreieckig, nicht sichelförmig.
Falls es einmal auffällig nach Fischöl riechen sollte, bin ich jedenfalls gewarnt.
Thursday, March 20, 2008
Zum Auftauen nach Florida
Wie erkennt man einen Florida-Reisenden am Flughafen?
Ganz einfach: Er trägt kurze Hosen und ein Hawaii-Hemd. Bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt, versteht sich. In den Detroiter Vororten liegen noch Schneereste – wir haben schließlich Frühlingsanfang, nicht Sommer. Ferien sind ziemlich kurz in den USA, und für das richtige Urlaubsfeeling vom Start weg riskiert der Amerikaner schon einmal Frostbeulen. Die werden schon wieder auftauen.
Auch im Flieger war es kalt, und so behielt ich meinen Wollschal fest umgewickelt, bis sich unten bereits frühlingshaft ergrünende Landschaften zeigten. In Orlando war es dann tatsächlich schwül warm – was allerdings nicht anhielt. Ich fand es von Neuem beeindruckend, unmittelbar nach Verlassen des Flughafens üppig wuchernde Gewächse zu sehen, die in Deutschland üblicherweise als Zimmerpflanzen gehalten werden.
Meine Shorts zog ich dann erst in Daytona Beach an. Ich steckte auch eine Zehe ins Wasser, aber der Atlantik war doch ein bisschen frisch. Außerdem wehte eine steife Brise. Da es in Amerika keine Strandkörbe gibt, setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren am Strand entlang. Wie man das in Daytona eben so macht.
Ganz einfach: Er trägt kurze Hosen und ein Hawaii-Hemd. Bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt, versteht sich. In den Detroiter Vororten liegen noch Schneereste – wir haben schließlich Frühlingsanfang, nicht Sommer. Ferien sind ziemlich kurz in den USA, und für das richtige Urlaubsfeeling vom Start weg riskiert der Amerikaner schon einmal Frostbeulen. Die werden schon wieder auftauen.
Auch im Flieger war es kalt, und so behielt ich meinen Wollschal fest umgewickelt, bis sich unten bereits frühlingshaft ergrünende Landschaften zeigten. In Orlando war es dann tatsächlich schwül warm – was allerdings nicht anhielt. Ich fand es von Neuem beeindruckend, unmittelbar nach Verlassen des Flughafens üppig wuchernde Gewächse zu sehen, die in Deutschland üblicherweise als Zimmerpflanzen gehalten werden.
Meine Shorts zog ich dann erst in Daytona Beach an. Ich steckte auch eine Zehe ins Wasser, aber der Atlantik war doch ein bisschen frisch. Außerdem wehte eine steife Brise. Da es in Amerika keine Strandkörbe gibt, setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren am Strand entlang. Wie man das in Daytona eben so macht.
Monday, July 2, 2007
Glühwürmchen schimmre
An unserem letzten Abend in den Smoky Mountains versuchten wir, Glühwürmchen zu fotografieren. Für die Gegend war das eine sehr angemessene Urlaubsbeschäftigung: Es wimmelte nur so von fireflies; sie leuchteten einem jeden Abend heim. Nicht, dass es in Michigan keine gäbe - sie sind hier allerdings nicht ganz so zahlreich, und im Raum Detroit nur in höher gelegenen Gebieten anzutreffen. Im Stony Creek Metropark habe ich erst neulich welche gesehen. Wenn die ersten Leuchtkäfer (Photuris lucicrescens) auftauchen, darf man gewiss sein: Es ist Sommer.
In der Gegend von Franklin, wo wir ein Ferienhaus von Freunden gemietet hatte, war das Käfer-Feuerwerk schlichtweg beeindruckend. Im Great Smoky Mountains National Park soll es sogar lightning bugs geben, die synchron blinken - natürlich sind das die Männchen. Die Weibchen suchen sich dann die größte Leuchte aus. Es geht eben immer nur um das eine, nämlich ums Heiraten.
Am Samstagabend stellten wir also das Stativ auf den Balkon des Ferienhauses und belichteten lange. Sehr lange. Leider kann ich jetzt kein Beweisfoto liefern - bestimmt waren es Geister-Glühwürmchen, die keine Spuren auf einem Sensor hinterlassen.
Was wir sonst noch in den Great Smoky Mountains anstellten, werde ich bei Gelegenheit berichten.
Nachtrag vom 21. Juni 2008:
Mehr zum Thema steht jetzt auf suite101: Frühsommer in den Smoky Mountains
In der Gegend von Franklin, wo wir ein Ferienhaus von Freunden gemietet hatte, war das Käfer-Feuerwerk schlichtweg beeindruckend. Im Great Smoky Mountains National Park soll es sogar lightning bugs geben, die synchron blinken - natürlich sind das die Männchen. Die Weibchen suchen sich dann die größte Leuchte aus. Es geht eben immer nur um das eine, nämlich ums Heiraten.
Am Samstagabend stellten wir also das Stativ auf den Balkon des Ferienhauses und belichteten lange. Sehr lange. Leider kann ich jetzt kein Beweisfoto liefern - bestimmt waren es Geister-Glühwürmchen, die keine Spuren auf einem Sensor hinterlassen.
Was wir sonst noch in den Great Smoky Mountains anstellten, werde ich bei Gelegenheit berichten.
Nachtrag vom 21. Juni 2008:
Mehr zum Thema steht jetzt auf suite101: Frühsommer in den Smoky Mountains
Monday, January 1, 2007
Hatsumode
Die kleine Vitrine vor der Suppenküche steht leer: Die Plastikmodelle der Speisen, ausgesprochene Staubfänger, sind frisch gewaschen und stehen nun zum Trocknen in der Sonne. Daneben hocken vier junge Mädchen auf dem Boden und schälen unter viel Geschnatter und Gelächter dicke Gemüsezwiebeln, einen ganzen Haufen. Noch drei Tage bis Neujahr, seit heute sind Schulferien. Auch in den anderen Imbissbuden auf dem Gelände des Shinjo-ji, das ist der Tempel von Narita, sind die Vorbereitungen fürs Neujahrsfest in vollem Gange: Am 1. Januar pilgert man in Japan traditionell zu buddhistischen Tempeln und Shinto-Schreinen, um für Gesundheit und Glück im kommenden Jahr zu beten. Hatsumode nennt sich dieser überaus populäre Brauch, der die ganze Bevölkerung in Bewegung setzt. Und die Neujahrspilger wollen alle verköstigt sein.
Noch sind die Sitzkissen in den Suppenküchen leer, in einer der halboffenen Buden tafelt gerade die Familie. Ob man etwas zu essen bekommen kann? Kommen Sie herein, sagt die gepflegte ältere Dame mit Schürze, wahrscheinlich die Chefin des Etablissements, und schon bringt sie unaufgefordert grünen Tee, wie es üblich ist. Die Suppenschalen mit dicken Udon-Nudeln und Bergkräutern stehen wenig später auf dem Tisch. Es schmeckt vorzüglich, sehr würzig. Drüben am Tisch ist die Mahlzeit inzwischen beendet; die halbwüchsigen Töchter machen sich ans Gemüseschnippeln. Berge von Lauch liegen bereit, Basis für eine gute Brühe.
Draußen bricht sich das Licht in der Fontäne des Springbrunnens. Die Buden und Kioske rund um den Platz sind mit dem bunten Plastikglitter geschmückt, der in Japan alle Feste ankündigt. Die riesigen Schilder am Tempel-Gebäude, die zum Ausgang weisen, wirken seltsam überdimensioniert. Nebenan werden gerade Megaphone aus einem Fahrzeug geladen, von irgendwoher hört man Lautsprecherdurchsagen – ein Testdurchlauf für Neujahr. Die Wahrsagerin in ihrer Bude wartet noch auf Kunden.
In der Ginza, Tokyos Prachtmeile, tritt man sich so kurz vor der Jahreswende auf die Füße. Hoch über dem Häusermeer ist es ein weniger ruhiger: Viele Kaufhäuser haben einen Dachgarten, wo bevorzugt der Bonsai-Laden untergebracht ist sowie die Goldfischabteilung. Bei Seibu in Ikebukuro, dem einstmals größten Kaufhaus des Planeten, steht ein komplettes Bonsai-Wäldchen zum Verkauf bereit. Perfekt geformte japanische Ideallandschaften mit Kiefern oder wundervoll durchgeformte Miniatur-Kirschbäume kurz vor der Blüte, die entzückend sein muss.
Auf den Bänken neben der Gärtnerei schmusen Liebespaare im Angesicht von Tokyos Wolkenkratzern, und Kleinkinder jauchzen auf dem nahen Spielplatz. Gegenüber ein Gewächshaus mit etwas monoton wirkenden Grünpflanzen, die der Blattform und dem Preisschild nach zu schließen nur Orchideen sein können: Das teuerste Gewächs dieser Art kostet eine halbe Million Yen. Für 500 Yen kriegt man in der Suppenküche auf dem Kaufhausdach eine Schale Ramen. Bei der Konkurrenz kann man auch Würstchen am Holzspieß erstehen oder Currygerichte. Senioren, die sich in der Wintersonne wärmen, schlürfen hier ihre Nudeln, und nebenan vergnügen sich einige Jugendliche. Das einzige, was die Idylle etwas beeinträchtigt, ist der dreckige Kunstrasen unter den Gartenstühlen. Vom Verkehr ist nichts zu hören.
Das eigentliche Neujahrsgeschäft läuft acht Stockwerke tiefer, wo sich teuer gekleidete Japanerinnen mit leckeren Häppchen für den Jahreswechsel eindecken. In diesen Tagen ist das Warenangebot noch üppiger als sonst. Es spricht grundsätzlich viel dafür, bei der Besichtigung eines Landes die Regale seiner Supermärkte bevorzugt zu behandeln; in Japan kann das aufregender sein als jedes Museum. Dem einen oder anderen Angebot steht der westliche Besucher indessen ratlos gegenüber: Welchen Sinn macht eine Geschenkmelone, die 10.000 Yen kostet? Das sind rund 100 Dollar. Wer schenkt sich so etwas – und warum? Auch erschwinglichere Speisen haben oft etwas von kleinen Kostbarkeiten, die man essen kann. (...) Womöglich sind die Petits fours, die vor allem in den Lebensmittelabteilungen großer Kaufhäuser angeboten werden, noch zierlicher gebaut als in ihrem Herkunftsland – auch Japaner pflegen die hohe Kunst der Zuckerbäckerei. Süße Preziosen, in Vitrinen aufwändig arrangiert. Dazu zählen auch die einheimischen Mochi, die aus Klebereis hergestellt werden und zum japanischen Neujahrsfest gehören wie Verwandtenbesuch und Hatsumode.
Im weitläufigen Meji-Schrein in Tokyo geht dann der traditionelle Besuch der heiligen Stätten äußerst gesittet vor sich. Die in endlosen Schlangen anrückenden Neujahrspilger werden schon im Vorfeld per Videobildschirm über die Marschroute und die Infrastruktur belehrt, über dem Schreintor ist eine Kamera angebracht, und hübsche Polizistinnen regeln von der Höhe eines Fahrzeugs herab den Personenverkehr. Nur beim allgemeinen Ansturm auf die Amulette wird’s vorübergehend etwas unübersichtlich. Und die Horoskope, die ihnen nicht gefallen, knoten die Leute statt an die vorgesehenen Gestelle an alle möglichen Zweige und Zäune. Ein Wunder, dass sie nicht die Walkie-Talkie-Antenne des Wachmannes mit ihren Papierstreifen garnieren.
Die Hüter des Gesetzes haben es nicht leicht an diesem Tag. Ein Polizist steht im Geldregen wie Goldmarie: Der junge Uniformierte trägt ein Visier aus Plexiglas, um sein Gesicht vor den Münzen zu schützen, die um ihn herum niederprasseln. Der Vorplatz vor dem Meji-Schrein hat sich in einen gigantischen Opferstock verwandelt. Egal, ob Schrein oder Tempel, Shintoismus oder Buddhismus – Religion ist ein einträgliches Geschäft, besonders an Neujahr.
Damit alle spenden können, wird man zügig durchgeschleust, an den Verpflegungsständen kann man noch Yakisoba essen oder einen anderen nahrhaften Snack – im Stehen, mit Stäbchen – und dann geht's zurück zur Station Harajuku, wo an diesem Tag ein Extra-Bahnsteig eingerichtet wurde. Überall in den Zügen sieht man Leute, die ihr Neujahrs-Amulett in Pfeilform vor sich her tragen wie eine Trophäe. Viele Frauen bewegen sich nur mit Trippelschrittchen vorwärts; das liegt am Festtagskimono, den sie winterlich mit einem Pelzkragen geschmückt haben. Zur Aufmachung gehören spezielle Handtäschchen, die im Stil zu den kostbaren Seidenkimonos passen. Und dann ziehen die Schönen ihr rosa Hello-Kitty-Handy heraus und telefonieren. (...)
(Auszug aus Die schlechten Horoskope hängen im Gebüsch, erschienen am 07.01.05 auf Wirtschaftswetter.)
Noch sind die Sitzkissen in den Suppenküchen leer, in einer der halboffenen Buden tafelt gerade die Familie. Ob man etwas zu essen bekommen kann? Kommen Sie herein, sagt die gepflegte ältere Dame mit Schürze, wahrscheinlich die Chefin des Etablissements, und schon bringt sie unaufgefordert grünen Tee, wie es üblich ist. Die Suppenschalen mit dicken Udon-Nudeln und Bergkräutern stehen wenig später auf dem Tisch. Es schmeckt vorzüglich, sehr würzig. Drüben am Tisch ist die Mahlzeit inzwischen beendet; die halbwüchsigen Töchter machen sich ans Gemüseschnippeln. Berge von Lauch liegen bereit, Basis für eine gute Brühe.
Draußen bricht sich das Licht in der Fontäne des Springbrunnens. Die Buden und Kioske rund um den Platz sind mit dem bunten Plastikglitter geschmückt, der in Japan alle Feste ankündigt. Die riesigen Schilder am Tempel-Gebäude, die zum Ausgang weisen, wirken seltsam überdimensioniert. Nebenan werden gerade Megaphone aus einem Fahrzeug geladen, von irgendwoher hört man Lautsprecherdurchsagen – ein Testdurchlauf für Neujahr. Die Wahrsagerin in ihrer Bude wartet noch auf Kunden.
In der Ginza, Tokyos Prachtmeile, tritt man sich so kurz vor der Jahreswende auf die Füße. Hoch über dem Häusermeer ist es ein weniger ruhiger: Viele Kaufhäuser haben einen Dachgarten, wo bevorzugt der Bonsai-Laden untergebracht ist sowie die Goldfischabteilung. Bei Seibu in Ikebukuro, dem einstmals größten Kaufhaus des Planeten, steht ein komplettes Bonsai-Wäldchen zum Verkauf bereit. Perfekt geformte japanische Ideallandschaften mit Kiefern oder wundervoll durchgeformte Miniatur-Kirschbäume kurz vor der Blüte, die entzückend sein muss.
Auf den Bänken neben der Gärtnerei schmusen Liebespaare im Angesicht von Tokyos Wolkenkratzern, und Kleinkinder jauchzen auf dem nahen Spielplatz. Gegenüber ein Gewächshaus mit etwas monoton wirkenden Grünpflanzen, die der Blattform und dem Preisschild nach zu schließen nur Orchideen sein können: Das teuerste Gewächs dieser Art kostet eine halbe Million Yen. Für 500 Yen kriegt man in der Suppenküche auf dem Kaufhausdach eine Schale Ramen. Bei der Konkurrenz kann man auch Würstchen am Holzspieß erstehen oder Currygerichte. Senioren, die sich in der Wintersonne wärmen, schlürfen hier ihre Nudeln, und nebenan vergnügen sich einige Jugendliche. Das einzige, was die Idylle etwas beeinträchtigt, ist der dreckige Kunstrasen unter den Gartenstühlen. Vom Verkehr ist nichts zu hören.
Das eigentliche Neujahrsgeschäft läuft acht Stockwerke tiefer, wo sich teuer gekleidete Japanerinnen mit leckeren Häppchen für den Jahreswechsel eindecken. In diesen Tagen ist das Warenangebot noch üppiger als sonst. Es spricht grundsätzlich viel dafür, bei der Besichtigung eines Landes die Regale seiner Supermärkte bevorzugt zu behandeln; in Japan kann das aufregender sein als jedes Museum. Dem einen oder anderen Angebot steht der westliche Besucher indessen ratlos gegenüber: Welchen Sinn macht eine Geschenkmelone, die 10.000 Yen kostet? Das sind rund 100 Dollar. Wer schenkt sich so etwas – und warum? Auch erschwinglichere Speisen haben oft etwas von kleinen Kostbarkeiten, die man essen kann. (...) Womöglich sind die Petits fours, die vor allem in den Lebensmittelabteilungen großer Kaufhäuser angeboten werden, noch zierlicher gebaut als in ihrem Herkunftsland – auch Japaner pflegen die hohe Kunst der Zuckerbäckerei. Süße Preziosen, in Vitrinen aufwändig arrangiert. Dazu zählen auch die einheimischen Mochi, die aus Klebereis hergestellt werden und zum japanischen Neujahrsfest gehören wie Verwandtenbesuch und Hatsumode.
Im weitläufigen Meji-Schrein in Tokyo geht dann der traditionelle Besuch der heiligen Stätten äußerst gesittet vor sich. Die in endlosen Schlangen anrückenden Neujahrspilger werden schon im Vorfeld per Videobildschirm über die Marschroute und die Infrastruktur belehrt, über dem Schreintor ist eine Kamera angebracht, und hübsche Polizistinnen regeln von der Höhe eines Fahrzeugs herab den Personenverkehr. Nur beim allgemeinen Ansturm auf die Amulette wird’s vorübergehend etwas unübersichtlich. Und die Horoskope, die ihnen nicht gefallen, knoten die Leute statt an die vorgesehenen Gestelle an alle möglichen Zweige und Zäune. Ein Wunder, dass sie nicht die Walkie-Talkie-Antenne des Wachmannes mit ihren Papierstreifen garnieren.
Die Hüter des Gesetzes haben es nicht leicht an diesem Tag. Ein Polizist steht im Geldregen wie Goldmarie: Der junge Uniformierte trägt ein Visier aus Plexiglas, um sein Gesicht vor den Münzen zu schützen, die um ihn herum niederprasseln. Der Vorplatz vor dem Meji-Schrein hat sich in einen gigantischen Opferstock verwandelt. Egal, ob Schrein oder Tempel, Shintoismus oder Buddhismus – Religion ist ein einträgliches Geschäft, besonders an Neujahr.
Damit alle spenden können, wird man zügig durchgeschleust, an den Verpflegungsständen kann man noch Yakisoba essen oder einen anderen nahrhaften Snack – im Stehen, mit Stäbchen – und dann geht's zurück zur Station Harajuku, wo an diesem Tag ein Extra-Bahnsteig eingerichtet wurde. Überall in den Zügen sieht man Leute, die ihr Neujahrs-Amulett in Pfeilform vor sich her tragen wie eine Trophäe. Viele Frauen bewegen sich nur mit Trippelschrittchen vorwärts; das liegt am Festtagskimono, den sie winterlich mit einem Pelzkragen geschmückt haben. Zur Aufmachung gehören spezielle Handtäschchen, die im Stil zu den kostbaren Seidenkimonos passen. Und dann ziehen die Schönen ihr rosa Hello-Kitty-Handy heraus und telefonieren. (...)
(Auszug aus Die schlechten Horoskope hängen im Gebüsch, erschienen am 07.01.05 auf Wirtschaftswetter.)
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