„Ann Sorrell and Marge Eide, together 43 years, beamed as they walked into vital records to get their marriage license.
The Ann Arbor couple was ready to take their vows and begin their life as a married couple in a land where it is now legal.
,We're going to get married after 43 years,‘ Eide, 77, said. ,Do you think we are rushing this?‘ she jokes with a reporter.“
JENNIFER CHAMBERS in einem Artikel der "Detroit News" zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, das in noch 14 Bundesstaaten bestehende Verbot der Homo-Ehe als Verstoß gegen die Verfassung zu erklären. Worauf überall wie wild geheiratet wurde - auch in Ann Arbor, Michigan, wo Ann und Marge leben.
Friday, June 26, 2015
Thursday, April 23, 2015
Sounds Like Spring
Irgendwann, wenn man schon gar nicht mehr daran glaubt, wird es dann doch Frühling.
In jedem Waldtümpel gibt’s ein Froschkonzert. Und in den noch kahlen Bäumen kann man nicht nur hören, sondern auch sehen, wer da singt: Der Kardinal lockt und schnalzt, die Indianermeise ruft ihr „Pieter, Pieter“, und der Rotflügelstärling schmeißt einen Triller in die Luft.
Nachts fliegen Gänse übers Dach; man hört sie hupen.
Auf die Schwalben warten wir noch.
In jedem Waldtümpel gibt’s ein Froschkonzert. Und in den noch kahlen Bäumen kann man nicht nur hören, sondern auch sehen, wer da singt: Der Kardinal lockt und schnalzt, die Indianermeise ruft ihr „Pieter, Pieter“, und der Rotflügelstärling schmeißt einen Triller in die Luft.
Nachts fliegen Gänse übers Dach; man hört sie hupen.
Auf die Schwalben warten wir noch.
Sunday, December 21, 2014
In der Vorweihnachtszeit nach Florida
Heute ist Winteranfang, und nach einem Tag, dessen wichtigstes Ereignis ein langer Strandspaziergang war, sitze ich nun mit meinem Mann in einer Ferienwohnung auf Siesta Key und trinke zur Feier des Tages ein Glas Wein. Hurra, es ist Wintersonnenwende! Jetzt werden die Tage wieder länger. Und ich überlege mir, wie genial es ist, in der Zeit vor Weihnachten nach Florida zu reisen. Es gibt mindestens zwölf Gründe, die dafür sprechen:
- Die Hochsaison beginnt oft erst einen Tag vor Heiligabend.
- In Kombination mit Sonne, Sand und Palmen wird weihnachtlicher Konsumkitsch zwangsläufig ironisch gebrochen und dadurch mindestens lustig, oft sogar interessant. Scheußlichkeiten wie aufblasbare Santas in tropischen Vorgärten bieten sich als Objekte für Brauchtumsstudien an. Manchmal fährt Santa auch im Boot vorbei.
- Seesterne! Plastik-Christbäume, die mit Seesternen oder Sanddollars geschmückt sind, können richtig schön sein.
- Das vorweihnachtliche Wetter ist in Florida zwar nicht immer so warm und angenehm, wie man es gerne hätte, aber nach Winterstürmen kann man immerhin an vielen Stränden spektakuläre Muschelfunde machen.
- So klar und blau ist der Himmel sonst selten. Falls nicht: siehe oben.
- Seafood hat Saison und die frische Meerluft macht Appetit.
- Innen- und Außentemperaturen sind ähnlich; in Restaurants wird die Kühlung zurückgefahren, und es ist endlich einmal warm.
- Key Lime Pie ist leichter als Christstollen oder Fruit Cake.
- Oberon. Das Kultbier aus Michigan, dessen Saison kürzer ist als die von Baseball, ist in Florida ganzjährig erhältlich.
- Orangen sind spottbillig. Es gibt auch schon Erdbeeren, aber die sind noch teuer.
- Es gibt weniger Moskitos. So hofft man. Manchmal stimmt's.
- Wenn die Tage schon so kurz sind, möchte man sie wenigstens in der Wärme verbringen.
Tuesday, November 11, 2014
Wie Ann Arbor und Michigan gewählt haben
Bei den US-Kongresswahlen vor einer Woche konnten die Republikaner den Demokraten genügend Senatorenposten abjagen, um die Mehrheit auch in der oberen Kammer zu übernehmen. Der Sitz aus Michigan war jedoch nicht darunter. Dabei hatten sich die Republikaner im Bundesstaat zunächst große Hoffnungen gemacht, als der demokratische Senator Carl Levin Anfang 2013 seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hatte.
Der Kongressveteran Levin, seit 1979 im US-Senat, war nicht nur in seinem Heimatstaat populär. Mit dem sorgfältig übergekämmten Resthaar und der tiefsitzenden Lesebrille war er außerdem eine der markantesten Politfiguren Washingtons. Im jovialen Mittfünfziger Gary Peters, bisher schon Mitglied des Repräsentantenhauses, scheint die Partei indessen einen adäquaten Nachfolger gefunden zu haben: Mit 55 Prozent der Stimmen gewann der Demokrat den Sitz ohne große Mühe. Immerhin war die republikanische Gegenkandidatin Terri Lynn Land jahrelang Staatssekretärin in Michigan und ebenfalls sehr bekannt. Aber Gary Peters gab sich eben nicht als Republican light wie andere demokratische Bewerber für den Senat, die dann trotzdem verloren. Es ist schon auffällig, dass gerade die Kandidaten, die ihren Päsidenten und seine Politik nicht verleugnet hatten, fast alle gewählt oder wiedergewählt wurden. In Ann Arbor konnte Peters sogar über 67 Prozent der Stimmen für sich verbuchen.
Die Kandidaten mit einem „D“ hinterm Namen haben in A2 durchweg wieder besonders gut abgeschnitten – ginge es nach Tübingens Partnerstadt, hieße der Gouverneur jetzt anders. Dabei müsste der Republikaner Rick Snyder eigentlich einen Heimvorteil haben: Der Geschäftsmann aus der IT-Branche, der vor vier Jahren als „taffer Streber“ ins Amt einzog, wohnt in Superior Township, einer überwiegend ländlichen Gemeinde in der Umgebung von Ann Arbor. Snyder lässt sich bis heute vom privaten Heim zum Regieren chauffieren – Lansing, die Hauptstadt des Bundesstaates, ist nur eine gute Fahrtstunde entfernt.
Snyder gibt familiäre Gründe dafür an, warum er nicht in die Gouverneurs-Residenz nach Lansing gezogen ist, sondern in der Nähe der deutlich attraktiveren Demokraten-Hochburg blieb. Im Landkreis Washtenaw, zu dem Ann Arbor gehört, erhielt er trotzdem nur knapp 42 Prozent der Stimmen; sein demokratischer Herausforderer Mark Schauer, ein Berufspolitiker aus der Cornflakes-Stadt Battle Creek, kam auf über 56 Prozent. Im Bundesstaat insgesamt siegte Snyder mit 51 Prozent; Schauer erreichte nur 47 Prozent. Snyder hatte am Anfang seiner Amtszeit zwar viel Schelte bezogen, als er einen Einheitssteuersatz für Unternehmen eingeführt und dafür Pensionen besteuert hatte; in jüngster Zeit bekam er aber gute Noten für wirtschaftliche Initiativen sowie seine Führungsrolle bei der Bewältigung der Finanzkrise von Detroit.
Gänzlich ohne Überraschungen ging die Wahl des neuen Bürgermeisters in Ann Arbor aus. Der bisherige Mayor John Hieftje hatte sich nach 14 Jahren im Amt zurückgezogen, und der demokratische Stadtrat Christopher Taylor kandidierte über längere Zeit konkurrenzlos. Er erhielt 84 Prozent der Stimmen. Der einzige Gegenkandidat, ein jugendlicher Autor und Musiker namens Bryan Kelly, war nach eigenem Bekunden ins Rennen eingestiegen, damit der Wähler eine Wahl hatte. Auf seiner Facebook-Seite verabschiedete er sich mit „Peace“.
Der Kongressveteran Levin, seit 1979 im US-Senat, war nicht nur in seinem Heimatstaat populär. Mit dem sorgfältig übergekämmten Resthaar und der tiefsitzenden Lesebrille war er außerdem eine der markantesten Politfiguren Washingtons. Im jovialen Mittfünfziger Gary Peters, bisher schon Mitglied des Repräsentantenhauses, scheint die Partei indessen einen adäquaten Nachfolger gefunden zu haben: Mit 55 Prozent der Stimmen gewann der Demokrat den Sitz ohne große Mühe. Immerhin war die republikanische Gegenkandidatin Terri Lynn Land jahrelang Staatssekretärin in Michigan und ebenfalls sehr bekannt. Aber Gary Peters gab sich eben nicht als Republican light wie andere demokratische Bewerber für den Senat, die dann trotzdem verloren. Es ist schon auffällig, dass gerade die Kandidaten, die ihren Päsidenten und seine Politik nicht verleugnet hatten, fast alle gewählt oder wiedergewählt wurden. In Ann Arbor konnte Peters sogar über 67 Prozent der Stimmen für sich verbuchen.
Die Kandidaten mit einem „D“ hinterm Namen haben in A2 durchweg wieder besonders gut abgeschnitten – ginge es nach Tübingens Partnerstadt, hieße der Gouverneur jetzt anders. Dabei müsste der Republikaner Rick Snyder eigentlich einen Heimvorteil haben: Der Geschäftsmann aus der IT-Branche, der vor vier Jahren als „taffer Streber“ ins Amt einzog, wohnt in Superior Township, einer überwiegend ländlichen Gemeinde in der Umgebung von Ann Arbor. Snyder lässt sich bis heute vom privaten Heim zum Regieren chauffieren – Lansing, die Hauptstadt des Bundesstaates, ist nur eine gute Fahrtstunde entfernt.
Snyder gibt familiäre Gründe dafür an, warum er nicht in die Gouverneurs-Residenz nach Lansing gezogen ist, sondern in der Nähe der deutlich attraktiveren Demokraten-Hochburg blieb. Im Landkreis Washtenaw, zu dem Ann Arbor gehört, erhielt er trotzdem nur knapp 42 Prozent der Stimmen; sein demokratischer Herausforderer Mark Schauer, ein Berufspolitiker aus der Cornflakes-Stadt Battle Creek, kam auf über 56 Prozent. Im Bundesstaat insgesamt siegte Snyder mit 51 Prozent; Schauer erreichte nur 47 Prozent. Snyder hatte am Anfang seiner Amtszeit zwar viel Schelte bezogen, als er einen Einheitssteuersatz für Unternehmen eingeführt und dafür Pensionen besteuert hatte; in jüngster Zeit bekam er aber gute Noten für wirtschaftliche Initiativen sowie seine Führungsrolle bei der Bewältigung der Finanzkrise von Detroit.
Gänzlich ohne Überraschungen ging die Wahl des neuen Bürgermeisters in Ann Arbor aus. Der bisherige Mayor John Hieftje hatte sich nach 14 Jahren im Amt zurückgezogen, und der demokratische Stadtrat Christopher Taylor kandidierte über längere Zeit konkurrenzlos. Er erhielt 84 Prozent der Stimmen. Der einzige Gegenkandidat, ein jugendlicher Autor und Musiker namens Bryan Kelly, war nach eigenem Bekunden ins Rennen eingestiegen, damit der Wähler eine Wahl hatte. Auf seiner Facebook-Seite verabschiedete er sich mit „Peace“.
Sunday, November 9, 2014
Feiern mit Sekt und Gurken
„Sind das vielleicht Gurken aus dem Spreewald?“ „Nee, aus Holland.“
ZITAT aus dem Film „Good Bye Lenin!“ aus dem Jahr 2003, den wir gestern zum Mauerfall-Jubiläum wieder einmal ansahen. Dazu tranken wir natürlich Sekt. Nein, keinen Rotkäppchen-Sekt, sondern Korbel. Man muss es mit dem Schwelgen in Erinnerungen nicht übertreiben. Trotzdem: Für mich ist die gelungene deutsche Revolution ein Grund, warum ich auf mein Heimatland stolz bin. „It was a time of great optimism“, sagte ein Geschichtsprofessor bei einer kleinen Gedenkveranstaltung am Donnerstag an der Oakland University, und ich denke, dieses Ereignis hat mich geprägt. Es hat mir Vertrauen und Zuversicht gegeben und das Bewusstsein, dass sich Dinge ändern können und nicht alles schiefgehen muss. „Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben wie es ist“, sagte Angela Merkel heute bei der Gedenkfeier in Berlin. Und was für eine gelungene Feier das war, mit den Ballons der Lichtgrenze, Beethoven und heiterer Besinnlichkeit. Daran änderte auch Michail Gorbatschow in seiner Rolle als Party-Pooper nichts. 25 Jahre! „Hälfte des Lebens“, bemerkte mein Mann vorhin. Obwohl wir damals eigentlich andere Dinge im Kopf hatten - ich schrieb gerade meine Magisterarbeit und bereitete mich anschließend auf meine mündlichen Prüfungen vor, mein künftiger Mann schrieb seine Doktorarbeit zu Ende,- es waren doch wunderbare Zeiten, und es tat sich was. „Der Wind der Veränderung blies bis in die Ruinen unserer Republik. Der Sommer kam und Berlin war der schönste Platz auf Erden. Wir hatten das Gefühl im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Dort wo sich endlich was bewegte. Und wir bewegten uns mit.“ Ich war zwar nicht in Berlin, aber alles schien möglich, damals. „Im Sommer 1990 überzeugte die deutsche Nationalmannschaft mit Planübererfüllung und wurde Fußballweltmeister.“ Die Party wollte gar kein Ende mehr nehmen, während ich versuchte, mich auf meine Prüfungen zu konzentrieren. Davon träume ich heute noch manchmal: Prüfungsangst ist ein hartnäckiges Gefühl. Aber alles ging gut. Zur Feier des Tages aßen wir auch noch ein paar Essiggürkchen - von Hengstenberg, meiner Lieblingsmarke, die in Metro Detroit in vielen Supermärkten erhältlich ist.
ZITAT aus dem Film „Good Bye Lenin!“ aus dem Jahr 2003, den wir gestern zum Mauerfall-Jubiläum wieder einmal ansahen. Dazu tranken wir natürlich Sekt. Nein, keinen Rotkäppchen-Sekt, sondern Korbel. Man muss es mit dem Schwelgen in Erinnerungen nicht übertreiben. Trotzdem: Für mich ist die gelungene deutsche Revolution ein Grund, warum ich auf mein Heimatland stolz bin. „It was a time of great optimism“, sagte ein Geschichtsprofessor bei einer kleinen Gedenkveranstaltung am Donnerstag an der Oakland University, und ich denke, dieses Ereignis hat mich geprägt. Es hat mir Vertrauen und Zuversicht gegeben und das Bewusstsein, dass sich Dinge ändern können und nicht alles schiefgehen muss. „Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben wie es ist“, sagte Angela Merkel heute bei der Gedenkfeier in Berlin. Und was für eine gelungene Feier das war, mit den Ballons der Lichtgrenze, Beethoven und heiterer Besinnlichkeit. Daran änderte auch Michail Gorbatschow in seiner Rolle als Party-Pooper nichts. 25 Jahre! „Hälfte des Lebens“, bemerkte mein Mann vorhin. Obwohl wir damals eigentlich andere Dinge im Kopf hatten - ich schrieb gerade meine Magisterarbeit und bereitete mich anschließend auf meine mündlichen Prüfungen vor, mein künftiger Mann schrieb seine Doktorarbeit zu Ende,- es waren doch wunderbare Zeiten, und es tat sich was. „Der Wind der Veränderung blies bis in die Ruinen unserer Republik. Der Sommer kam und Berlin war der schönste Platz auf Erden. Wir hatten das Gefühl im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Dort wo sich endlich was bewegte. Und wir bewegten uns mit.“ Ich war zwar nicht in Berlin, aber alles schien möglich, damals. „Im Sommer 1990 überzeugte die deutsche Nationalmannschaft mit Planübererfüllung und wurde Fußballweltmeister.“ Die Party wollte gar kein Ende mehr nehmen, während ich versuchte, mich auf meine Prüfungen zu konzentrieren. Davon träume ich heute noch manchmal: Prüfungsangst ist ein hartnäckiges Gefühl. Aber alles ging gut. Zur Feier des Tages aßen wir auch noch ein paar Essiggürkchen - von Hengstenberg, meiner Lieblingsmarke, die in Metro Detroit in vielen Supermärkten erhältlich ist.
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