Im Online-Vorlesungsverzeichnis der University of Michigan findet sich ein Kurs über Kommunalverwaltung und Bürgerbeteiligung. Kursbeginn: Anfang Januar. Der Name des Dozenten? John Hieftje, „derzeit der Bürgermeister von Ann Arbor“, wie es in der Kurzbiografie heißt. Die Universität muss die Webseite bald aktualisieren, denn bereits am 10. November wird es offiziell einen neuen Mayor geben. Der 63-jährige Hieftje will sich dann auf die Lehrtätigkeit, schon vorher sein zweites berufliches Standbein, konzentrieren. Vorerst jedenfalls.
Die Abschiedsparty für John Hieftje ist schon geplant: Sechs Mal wurde er im Amt bestätigt, aber ein siebtes Mal wird es nicht geben – sein Nachfolger wird morgen gewählt. Und was kommt dann? Dass er als Bürgermeister aufhöre, bedeute nicht, dass er sich aus dem Berufsleben zurückziehe, betonte Hieftje bei einem Telefongespräch. Er habe einige Eisen im Feuer; Näheres will er dazu nicht sagen. Kein Ruhestand also, aber wie ernst ist es ihm mit dem Rückzug aus der Politik? Will er seine Karriere vielleicht auf anderer Ebene fortsetzen? Nein, er habe nicht vor, noch einmal für ein politisches Amt zu kandidieren, sagt der Demokrat, der in „A2“ 14 Jahre lang eine solide grüne Kommunalpolitik machte. „Ich nehme Abstand von der Politik“, sagt Hieftje in jenem gelassen-heiteren Ton, der für ihn typisch ist.
John Hieftje ist eher ein Mann der leisen Töne – „soft-spoken“ heißt das auf Englisch, und genau mit diesem Ausdruck wird er in der lokalen Presse oft beschrieben. Das heißt aber nicht, dass es ihm an Selbstsicherheit mangelt. Hieftje gab schon vor Jahr und Tag bekannt, dass er kein weiteres Mal kandidieren würde, und wenn man ihn dann fragt, warum er die Entscheidung in der laufenden Amtsperiode getroffen und damit nicht noch etwas gewartet habe, gibt er die einfache Antwort: „Alles, was ich mir vorgenommen habe, ist getan.“
Das mag nun etwas überraschen, denn Hieftje hat sicher vieles auf den Weg gebracht, aber bei etlichen Projekten ist das Ziel in weiter Ferne. Auf die schnellere Zugverbindung nach Chicago etwa wartet Ann Arbor noch; sie soll erst im Jahr 2016 oder später kommen. „Das sind Bundesgelder“, so Hieftje, da habe man wenig Einfluss darauf. Er sei dem Gouverneur von Florida – einem Republikaner – jedenfalls unendlich dankbar, dass dieser Regierungsinvestitionen in den Bahnausbau ablehnte, „denn deswegen bekommen wir 200 Millionen Dollar extra“. Er ist daher zuversichtlich, das Ann Arbor irgendwann einen neuen Bahnhof bekommt, und dass es mit dem Ausbau des Schienennahverkehrs bald vorangeht.
Hieftje sagt aber auch oft, dass er das Glück hatte, auf die Arbeit fähiger Bürgermeister und Stadträte vor ihm aufzubauen – die hohe Lebensqualität in Ann Arbor sei nicht über Nacht entstanden und auch nicht in den letzten 14 Jahren. Gerade in jüngster Zeit konnte die Stadt im Südwesten der Autometropole Detroit eine Reihe von Auszeichnungen einheimsen, die belegen, dass einiges richtig gelaufen sein muss: So wurde Ann Arbor erst kürzlich vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zur gebildetsten Stadt Amerikas ernannt; von anderer Seite gab es hohe Platzierungen für Fußgängerfreundlichkeit sowie das Radwegenetz. Und das Onlinemagazin „The Daily Beast“ erklärte Ann Arbor schon 2012 zur fünftglücklichsten Stadt Amerikas, nicht zuletzt wegen der im regionalen und nationalen Vergleich niedrigen Arbeitslosenquote, die inzwischen deutlich unter fünf Prozent liegt.
Das war aber nicht immer so. Als Hieftje ins Amt kam, befand sich Michigan bereits in einer Dauerrezession, und in Zusammenarbeit mit dem damaligen City Administrator, dem Stadtverwalter, begann Hieftje, die Verwaltung zu verschlanken. Das war ein Prozess, der eigentlich nie ganz aufhörte, und im Jahr 2007 noch einmal drastisch beschleunigt werden musste: Noch vor der Finanzkrise beschloss der Pharmakonzern Pfizer, seinen Standort in Ann Arbor aufzugeben, wodurch 2500 Arbeitsplatz verloren gingen und im Finanzhaushalt der Stadt plötzlich ein riesiges Loch klaffte. „Und dann ging alles den Bach runter“, erinnert sich Hieftje. Allerdings war die Stadt, die Übung im Sparen hatte, besser für die Krise gerüstet als andere Kommunen in Michigan und erholte sich früher wieder von der Großen Rezession. Das sei auch der Grund, warum er sich nicht schon 2012 verabschiedet habe: Er wollte sicher gehen, dass alles wieder im Lot sei, und außerdem musste sich damals gerade ein neuer City Administrator einarbeiten.
Kontinuität ist wichtig für Hieftje, und die erhofft er sich auch von seinem Nachfolger im Amt. Neuer Bürgermeister wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Rechtsanwalt und jetzige Stadtrat Christopher Taylor, der sich bei den Vorwahlen im August gegen seine Konkurrenten von der demokratischen Partei durchsetzte. Die Republikaner haben keinen Kandidaten aufgestellt; Taylors einziger Gegenkandidat ist der unabhängige Bryan Kelly, Blogautor und Musiker, dessen Kampagne auf Facebook aber eher als Spaß-Event daherkommt.
Christopher Taylor hat bereits öffentlich bestätigt, dass er die vom bisherigen Bürgermeister und der Stadtverwaltung angestrebten Ziel weiter verfolgen wird. Dazu gehören die ökologischen Projekte genauso wie die Bemühungen, Ann Arbor als Standort für Hightech-Firmen noch attraktiver zu machen, was auch in Zusammenarbeit mit der Uni geschehen soll. Taylor wird sicher auch weiterführen, was für Hieftje Herzensanliegen, Steckenpferd und Markenzeichen in einem war: die mit Grundsteuer finanzierte Bekämpfung von Flächenfraß und Zersiedelung durch einen „grünen Gürtel“ im Norden der Stadt, der neben naturnahen Gebieten auch landwirtschaftliche Nutzfläche konserviert.
Auch wenn er nicht mehr Bürgermeister ist, will Hieftje der Stadt Ann Arbor treu bleiben. Er hofft aber, dass er in Zukunft öfters „in den Norden fahren“ kann, was bei Naturliebhabern in Michigan allgemein populär ist: Die Familie besitzt ein Wochenendhaus am Lake Superior, also am nördlichsten der Großen Seen, und zwar auf der kanadischen Seite. Und wie sieht es mit Reisen nach Deutschland aus, sprich: Tübingen? Ann Arbor ist die Partnerstadt der schwäbischen Universitätsstadt am Neckar. Seine Frau Kathryn habe fest vor, zum 50er-Jubiläum der Städtpartnerschaft in die Sister City zu fahren, sagt Hieftje. Er selbst muss noch sehen, wie es in seinen Terminkalender passt.
Aus dem Archiv: Umweltfreundlich made in USA
Monday, November 3, 2014
Tuesday, October 28, 2014
Ein paar Beobachtungen zu Redefreiheit
Kürzlich kam ein Prediger auf den Campus. Mit „Prediger“ meine ich nicht einen Priester oder Pfarrer, der das Wort vorwiegend an seine Gemeinde richtet, sondern einen dieser selbsternannten Propheten, die ungefragt den öffentlichen Raum beschallen. Der Mann war leicht übergewichtig und hätte vom Alter her gerade noch als Student durchgehen können. Er stand auf einem Plastikschemel, schwenkte eine Bibel und verkündete den studentischen Passanten, sie würden alle zur Hölle fahren. Weil: Sünder! In meine Richtung schrie er auch etwas, was ich aber geflissentlich überhörte. Außerdem war ich mit den Gedanken bereits bei meinem nächsten Kurs.
Von meinem Klassenzimmer aus hatte ich dann allerdings genau die Szene im Blick, und ich konnte beobachten, wie sich ein Auflauf um den Prediger bildete. Auf dem Rasen vor dem Hörsaalgebäude war noch eine andere Veranstaltung im Gange, und es schien heiße Diskussionen zu geben. Zwischendurch kam es zu kleineren Tumulten, bei denen der Prediger in der Menschenmenge nicht mehr auszumachen war – das mit dem „cesspool of sin“ wollten wohl nicht alle so einfach auf sich sitzen lassen.
Klar, dass schon bald ein Polizeiwagen ins Bild kam, der ganz langsam auf dem Gehweg in Richtung des Rasenstücks rollte, auf dem der Prediger samt Publikum zugange war. Die Polizei unternahm allerdings nichts, und war bald wieder weg. Irgendwann zerstreute sich auch die Menge wieder, und der Redner trollte sich. Oder es war umgekehrt – jedenfalls schaffte es der Vorfall dank der Polizeipräsenz in die Unizeitung. Der Mann sei kein Student, stand in dem Artikel, was aber nichts am Ausgang der Geschichte änderte: „Nothing was done because he was not violating any laws“, zitierte das Blatt eine Ordnungshüterin, „he was expressing his free speech rights.“
Gestern Nachmittag schaute ich zufällig aus dem Hörsaalfenster und bemerkte einen kleinen Menschenauflauf auf dem Rasen. Tatsächlich, da stand schon wieder dieser Kerl auf seinem Stühlchen und strapazierte die Umgebung mit der Ausübung seiner Redefreiheit. Auch diesmal kam bald Bewegung in die Sache. Als ich noch einmal hinguckte, meinte ich, in dem Getümmel gar Batman und Superman zu erkennen, die gegeneinander kämpften. Vielleicht hatte ich mich auch getäuscht. Egal. Ich musste mich nun wirklich auf meinen Unterricht konzentrieren. Die Polizei erschien diesmal aber nicht, so viel bekam ich mit.
Nach dem Kurs führte mich mein Weg zum Parkhaus, ohne dass ich es wirklich gewollt hätte, am Ort des Geschehens vorbei. Es war ein milder Herbstnachmittag, und um die ursprüngliche Gruppe hatte sich ein weiterer Kreis von Zuschauern gebildet, die nicht wirklich involviert waren, sondern einfach in der Sonne standen und das Spektakel genossen. Inzwischen hatte sich nämlich das Blatt gewendet: Da war zwar immer noch der Prediger, der wirres und hasserfülltes Zeug redete; inzwischen hatte er aber Konkurrenz bekommen von einem langhaarigen jungen Mann mit einer Gitarre und einer deutlich froheren Botschaft. „Jesus liebt dich“, rief er freudestrahlend in die Menge. Dann griff der Jesus-Hippie in die Klampfe und sang, was das Zeug hielt, wobei er den Prediger mühelos übertönte.
Die Umstehenden applaudierten, und auch die Comic-Superhelden hatten sich längst auf die Seite des guten Propheten geschlagen – sie sprangen um ihn herum wie Hofnarren. Übrigens handelte es sich dabei um Spiderman sowie Captain America, und nicht etwa, wie ich zuerst gedacht hatte, um Batman und Superman. Letztere brauchte man wahrscheinlich immer noch in Detroit, wo gerade „Batman v Superman: Dawn of Justice“ abgedreht wird. Eine Inspiration für Halloween-Kostüme sind Superhelden allemal. Und auch für allerlei Klamauk auf dem Campus stets zu gebrauchen.
Neben mir stand einer meiner Studenten, der ebenfalls die Szene in sich aufnahm. „Freedom of speech“, bemerkte ich, „isn’t that beautiful?“ „Yeah“, sagte er, und mit Blick auf die Superhelden sowie das ganze lärmende Durcheinander im goldenen Herbstlicht: „This is America!“
Freilich. Es ist das Land, in dem Redefreiheit groß geschrieben wird. Und wer am lautesten seine Meinung vertritt, gewinnt. Auch wenn das nicht immer der Nettere ist.
Von meinem Klassenzimmer aus hatte ich dann allerdings genau die Szene im Blick, und ich konnte beobachten, wie sich ein Auflauf um den Prediger bildete. Auf dem Rasen vor dem Hörsaalgebäude war noch eine andere Veranstaltung im Gange, und es schien heiße Diskussionen zu geben. Zwischendurch kam es zu kleineren Tumulten, bei denen der Prediger in der Menschenmenge nicht mehr auszumachen war – das mit dem „cesspool of sin“ wollten wohl nicht alle so einfach auf sich sitzen lassen.
Klar, dass schon bald ein Polizeiwagen ins Bild kam, der ganz langsam auf dem Gehweg in Richtung des Rasenstücks rollte, auf dem der Prediger samt Publikum zugange war. Die Polizei unternahm allerdings nichts, und war bald wieder weg. Irgendwann zerstreute sich auch die Menge wieder, und der Redner trollte sich. Oder es war umgekehrt – jedenfalls schaffte es der Vorfall dank der Polizeipräsenz in die Unizeitung. Der Mann sei kein Student, stand in dem Artikel, was aber nichts am Ausgang der Geschichte änderte: „Nothing was done because he was not violating any laws“, zitierte das Blatt eine Ordnungshüterin, „he was expressing his free speech rights.“
Gestern Nachmittag schaute ich zufällig aus dem Hörsaalfenster und bemerkte einen kleinen Menschenauflauf auf dem Rasen. Tatsächlich, da stand schon wieder dieser Kerl auf seinem Stühlchen und strapazierte die Umgebung mit der Ausübung seiner Redefreiheit. Auch diesmal kam bald Bewegung in die Sache. Als ich noch einmal hinguckte, meinte ich, in dem Getümmel gar Batman und Superman zu erkennen, die gegeneinander kämpften. Vielleicht hatte ich mich auch getäuscht. Egal. Ich musste mich nun wirklich auf meinen Unterricht konzentrieren. Die Polizei erschien diesmal aber nicht, so viel bekam ich mit.
Nach dem Kurs führte mich mein Weg zum Parkhaus, ohne dass ich es wirklich gewollt hätte, am Ort des Geschehens vorbei. Es war ein milder Herbstnachmittag, und um die ursprüngliche Gruppe hatte sich ein weiterer Kreis von Zuschauern gebildet, die nicht wirklich involviert waren, sondern einfach in der Sonne standen und das Spektakel genossen. Inzwischen hatte sich nämlich das Blatt gewendet: Da war zwar immer noch der Prediger, der wirres und hasserfülltes Zeug redete; inzwischen hatte er aber Konkurrenz bekommen von einem langhaarigen jungen Mann mit einer Gitarre und einer deutlich froheren Botschaft. „Jesus liebt dich“, rief er freudestrahlend in die Menge. Dann griff der Jesus-Hippie in die Klampfe und sang, was das Zeug hielt, wobei er den Prediger mühelos übertönte.
Die Umstehenden applaudierten, und auch die Comic-Superhelden hatten sich längst auf die Seite des guten Propheten geschlagen – sie sprangen um ihn herum wie Hofnarren. Übrigens handelte es sich dabei um Spiderman sowie Captain America, und nicht etwa, wie ich zuerst gedacht hatte, um Batman und Superman. Letztere brauchte man wahrscheinlich immer noch in Detroit, wo gerade „Batman v Superman: Dawn of Justice“ abgedreht wird. Eine Inspiration für Halloween-Kostüme sind Superhelden allemal. Und auch für allerlei Klamauk auf dem Campus stets zu gebrauchen.
Neben mir stand einer meiner Studenten, der ebenfalls die Szene in sich aufnahm. „Freedom of speech“, bemerkte ich, „isn’t that beautiful?“ „Yeah“, sagte er, und mit Blick auf die Superhelden sowie das ganze lärmende Durcheinander im goldenen Herbstlicht: „This is America!“
Freilich. Es ist das Land, in dem Redefreiheit groß geschrieben wird. Und wer am lautesten seine Meinung vertritt, gewinnt. Auch wenn das nicht immer der Nettere ist.
Thursday, September 25, 2014
Wasserstandsmeldung
„I live in the Detroit area, and for all our economic and structural problems, at least we have lots of fresh water and high ground. Ironic that we may become a shining, new metropolis in the future should carbon and sea level projections hold. In the meantime, I call attention to climate change deniers the fact that insurance companies, major corporations and even the Pentagon are making contingency plans for the potential, unmitigated effects of what the deniers call a ,natural cycle.‘ Go ahead, vote Republican, but make sure you keep a snorkel on your nightstand. Depending where you happen to live, that is. Trouble is, it'll be our children that bear the greatest burden.“
KOMMENTAR von User „vonstipatz“ zur Kolumne von Gail Collins in der „New York Times“, Titel: „Florida Goes Down the Drain. The Politics of Climate Change.“ Die Metapher in der Artikelüberschrift ist nett gewählt, denn Florida geht genau deswegen den Bach runter, weil das Meer bei Flut den Gully hochkommt. Bei der herbstlichen „King Tide“ sind die Straßen von Miami Beach jetzt regelmäßig überflutet, und das ist schlecht fürs Geschäft. In die angesagten Clubs geht keiner in Gummistiefeln, außerdem rosten die Nobelkarossen. Vor allem an der Atlantikküste kann man die Folgen des Klimawandels bereits besichtigen – der bedrohliche Anstieg des Meeresspiegels ist längst keine düstere Prophezeiung mehr, sondern kostspielige Realität. Deswegen kann es schon sein, dass man die Brachflächen in Detroit noch einmal braucht. Da kommt zwar nach Dauerregen auch schon einmal Wasser aus den Abflussrohren, wie man am 11. August gesehen hat, aber das passiert hoffentlich nicht oft. Und auch das Grundwasser ist anschließend nicht versalzen.
KOMMENTAR von User „vonstipatz“ zur Kolumne von Gail Collins in der „New York Times“, Titel: „Florida Goes Down the Drain. The Politics of Climate Change.“ Die Metapher in der Artikelüberschrift ist nett gewählt, denn Florida geht genau deswegen den Bach runter, weil das Meer bei Flut den Gully hochkommt. Bei der herbstlichen „King Tide“ sind die Straßen von Miami Beach jetzt regelmäßig überflutet, und das ist schlecht fürs Geschäft. In die angesagten Clubs geht keiner in Gummistiefeln, außerdem rosten die Nobelkarossen. Vor allem an der Atlantikküste kann man die Folgen des Klimawandels bereits besichtigen – der bedrohliche Anstieg des Meeresspiegels ist längst keine düstere Prophezeiung mehr, sondern kostspielige Realität. Deswegen kann es schon sein, dass man die Brachflächen in Detroit noch einmal braucht. Da kommt zwar nach Dauerregen auch schon einmal Wasser aus den Abflussrohren, wie man am 11. August gesehen hat, aber das passiert hoffentlich nicht oft. Und auch das Grundwasser ist anschließend nicht versalzen.
Wednesday, August 27, 2014
Eiskalt erwischt
Nachdem mein Mann heute nach Hause gekommen war, verzog er sich alsbald an den Schreibtisch, um Nachrichten am Computer zu lesen. Kurz darauf ertönte schallendes Gelächter aus dem Arbeitszimmer. Er musste so heftig lachen, dass ich sofort nachsehen ging, was los war. Man will ja schließlich mitlachen können. Wie sich herausstellte, war es Cem Özdemirs Beitrag zur „Ice Bucket Challenge“, was ihn so erheiterte.
Prominenz verpflichtet, und so hatte sich der Grünen-Chef zwar tapfer einen Kübel Wasser über den Kopf geschüttet, aber dabei die Kulisse für diese Aktion im Dienste einer guten Sache etwas ungeschickt gewählt. Auf dem Berliner Dachgarten, wo die seltsame Performance gefilmt wurde, sieht man nämlich nicht nur Solarzellen im Hintergrund, sondern auch etwas Grünzeug im Vordergrund. Und was da direkt neben Özdemir steht, ist gewiss keine typische Balkonpflanze: Die gefiederten Blättchen in dem unscharfen Youtube-Filmchen sehen doch sehr nach Hanf aus. Baut Cem etwa für den Hausgebrauch Cannabis an? Wahrscheinlich nicht – sonst hätte er sich wohl nicht daneben gestellt.
Vielleicht gibt es auch auf Berliner Dachterrassen neuerdings Kleingärtenanlagen. Wer weiß. Aber noch etwas anderes fällt beim Ansehen des Videos auf: Irgendwie ist die Idee von der Ice-Bucket-Dusche in Deutschland etwas verwässert angekommen, um im Bild zu bleiben. Wohlgemerkt, ich finde diese Aktion im Schneeballsystem ausgesprochen wirkungsvoll, um auf das Nervenleiden ALS aufmerksam zu machen. Lost in translation ist allerdings, dass dabei eigentlich ein Kübel mit Eiswürfeln zum Einsatz kommt. Aber in Deutschland gibt es bekanntlich keine Eiswürfel, jedenfalls nicht so viele. Oder Cem Özdemir wusste auch darüber nicht Bescheid. „So ein Warmduscher“, sagt mein Mann.
Prominenz verpflichtet, und so hatte sich der Grünen-Chef zwar tapfer einen Kübel Wasser über den Kopf geschüttet, aber dabei die Kulisse für diese Aktion im Dienste einer guten Sache etwas ungeschickt gewählt. Auf dem Berliner Dachgarten, wo die seltsame Performance gefilmt wurde, sieht man nämlich nicht nur Solarzellen im Hintergrund, sondern auch etwas Grünzeug im Vordergrund. Und was da direkt neben Özdemir steht, ist gewiss keine typische Balkonpflanze: Die gefiederten Blättchen in dem unscharfen Youtube-Filmchen sehen doch sehr nach Hanf aus. Baut Cem etwa für den Hausgebrauch Cannabis an? Wahrscheinlich nicht – sonst hätte er sich wohl nicht daneben gestellt.
Vielleicht gibt es auch auf Berliner Dachterrassen neuerdings Kleingärtenanlagen. Wer weiß. Aber noch etwas anderes fällt beim Ansehen des Videos auf: Irgendwie ist die Idee von der Ice-Bucket-Dusche in Deutschland etwas verwässert angekommen, um im Bild zu bleiben. Wohlgemerkt, ich finde diese Aktion im Schneeballsystem ausgesprochen wirkungsvoll, um auf das Nervenleiden ALS aufmerksam zu machen. Lost in translation ist allerdings, dass dabei eigentlich ein Kübel mit Eiswürfeln zum Einsatz kommt. Aber in Deutschland gibt es bekanntlich keine Eiswürfel, jedenfalls nicht so viele. Oder Cem Özdemir wusste auch darüber nicht Bescheid. „So ein Warmduscher“, sagt mein Mann.
Tuesday, August 12, 2014
Wasserstraßen oder: Nicht zu fassen, dieser Regen
„When our freeways need dive teams it might be a work from home day. #Detroit #Flood“
TWEET eines jungen Mannes namens Ryan Bateman, der laut Selbstbeschreibung bei Compuware in Downtown Detroit arbeitet und heute morgen nicht zur Arbeit konnte, weil nahezu sämtliche Autobahnen überflutet waren. Die Bilder und Berichte von der Flutkatastrophe sind surreal. Straßen, die sich in Flüsse verwandelt haben. Gestrandete Autos. Vollgelaufene Keller. Wir sind hier noch einmal glimpflich davon gekommen, und so haben wir erst heute morgen richtig realisiert, was der Starkregen von gestern Nachmittag in anderen Teilen der Metropole angerichtet hat. Soweit bekannt wurde, kam ein Mensch ums Leben. Vor allem in Brückenunterführungen steht das Wasser indessen meterhoch, und deswegen sollten Taucher heute Morgen sicher stellen, dass es dort keine weiteren Opfer gab.
TWEET eines jungen Mannes namens Ryan Bateman, der laut Selbstbeschreibung bei Compuware in Downtown Detroit arbeitet und heute morgen nicht zur Arbeit konnte, weil nahezu sämtliche Autobahnen überflutet waren. Die Bilder und Berichte von der Flutkatastrophe sind surreal. Straßen, die sich in Flüsse verwandelt haben. Gestrandete Autos. Vollgelaufene Keller. Wir sind hier noch einmal glimpflich davon gekommen, und so haben wir erst heute morgen richtig realisiert, was der Starkregen von gestern Nachmittag in anderen Teilen der Metropole angerichtet hat. Soweit bekannt wurde, kam ein Mensch ums Leben. Vor allem in Brückenunterführungen steht das Wasser indessen meterhoch, und deswegen sollten Taucher heute Morgen sicher stellen, dass es dort keine weiteren Opfer gab.
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