Friday, November 6, 2009

Herbstliche Blasinstrumente

Sie kamen im Morgengrauen und waren sehr, sehr laut. Und sie machten mehr Lärm, als man das beim Frühstück gerne hätte. „Es ist ein Bläserquartett“, sagte mein Mann, nachdem er einen Blick aus dem Fenster geworfen hatte. Die Blasinstrumente waren von der Sorte, mit der man welkem Herbstlaub den Marsch bläst. Das große Halali für Laubbläser.

Laubbläser! Ich hasse Laubbläser. Ich habe auch noch nie begriffen, wozu sie gut sein sollen. Kaum haben die Männer mit ihren heulenden Maschinen ein paar Blätter auf einen Haufen geblasen, kommt schon ein Windstoß, der das Laub wieder in alle Himmelsrichtungen verteilt.

Sisyphos hätte heutzutage bestimmt einen Laubbläser.

Thursday, November 5, 2009

A One-Term President?

„I am told by people I respect that Barack Obama cannot pull out of both Iraq and Afghanistan without becoming a one-term president. I think that may be true. The charges from various quarters would be toxic – that he was weak, unpatriotic, sacrificing the sacrifices that have been made, betraying our dead, throwing away all former investments in lives and treasure. All that would indeed be brought against him, and he could have little defense in the quarters where such charges would originate. […]

I have great hopes for the Obama presidency, even in his first term, and especially if he could have two terms to realize the exciting new things he aspires to do in the White House. But I would rather see him a one-term president than have him pass on another unwinnable war to the person who will follow him in office.“

GARRY WILLS auf dem NYR-Blog („The New York Review of Books“), ein Eintrag vom 3. November.

Saturday, October 31, 2009

Herbstvergnügen in den USA

Schon in meinem ersten Jahr in den USA ist mir aufgefallen, in welchem Maße Amerikaner denVery scary pumpkin with a Dick Cheney grin © Cornelia Schaible Herbst zelebrieren – ganz im Gegensatz zum Frühling. Gerade in Michigan kommt das Frühjahr immer spät, in den Gärten ist noch nichts zu sehen, und auch Ostern spielt keine große Rolle. Der Herbst indessen ist eine klar umrissene Jahreszeit mit kalendarischen Eckpunkten, die in Thanksgiving kulminiert. Natürlich gibt es auch den Rummel um Halloween, aber der spielt in den Prospekten der Supermärkte eine weitaus wichtigere Rolle als im wirklichen Leben. Wobei gerade Pumpkins mehr als nur Material für Kürbisgeister sind: Wenn die Maskengesichter längst auf dem Kompost gelandet sind, bäckt man immer noch Pumpkin Pies.

Mehr zum Thema auf suite101: Wie Amerikaner den Herbst zelebrieren

Wednesday, October 21, 2009

Happy Birthday, Guggenheim!

50 Jahre alt und kein bisschen von gestern: Das Guggenheim-Museum ist sicher das ungewöhnlichste Gebäude in Manhattan – und heutzutage gewiss eine bedeutendere Ikone alsDas Guggenheim-Museum in New York © Cornelia Schaible das Empire State Building (auf dem Foto rechts unten zu sehen). An Wolkenkratzer hat man sich inzwischen gewöhnt. Ein Bauwerk, das (jedenfalls aus amerikanischer Sicht) ein bisschen aussieht wie eine umgedrehte Hochzeitstorte, ist auch nach einem halben Jahrhundert ganz klar eine Sensation. Frank Lloyd Wright gelang mit dem Guggenheim ein Geniestreich.

Die Spirale von oben nach unten zu durchlaufen ist ein fantastisches Raumerlebnis, das einem mittels (absichtlich aufgebauter) Absperrungen allerdings etwas vergällt wird. Als wir Anfang August dort waren, machten wir das gleich zwei Mal hintereinander. Und dabei wurde vor allem eines klar: Bilder stören in einem solchen Bauwerk nur. Das Museum ist das Kunstwerk.

Der Architekt erlebte die Eröffnung allerdings nicht mehr: Wright starb am 9. April 1959.

Friday, October 16, 2009

Kinder und Politik

Meine Familie verachtete Willi Brandt. Ich glaube, man kann das so sagen. Er war ein Sozi, ein uneheliches Kind und ein WerweißwaserimKrieggemachthat. Und dazu lebte er „unter falschem Namen“.

Ich war damals noch ein Kind und wunderte mich über diese Tiraden, denn eigentlich sah er gar nicht unsympathisch aus. Das Wort gab es damals noch nicht, aber heute würde ich sagen: Willy Brandt besaß einen hohen Cool-Faktor, der anderen Politikern entschieden abging. Und als Jugendliche begann ich, mich für die Zusammenhänge zu interessieren. Zwar wurde ich nicht wirklich politisch aktiv, aber als ich meiner Mutter erzählte, ich sei bei der Bürgersprechstunde unserer Bundestagsabgeordneten Herta Däubler-Gmelin in der Tübinger Neckarhalde gewesen, war es an ihr, sich zu wundern. Wie Deutschland mit seinen Emigranten umging, lernte ich dann im Germanistikstudium.

Willy Brandt wurde mein Held.

(In die SPD bin ich aber doch nicht eingetreten, denn irgendwann war ich bei einer Versammlung mit Oskar Lafontaine in Mössingen, und dann sangen sie „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“. Also das mit dem Singen, das ging gar nicht.)

Es wird spannend sein zu sehen, wie Kinder und Jugendliche die politische Stimmung von heute verarbeiten. So etwas prägt. Als Barack Obama gestern in New Orleans war, fragte ihn ein Viertklässler mit großem Ernst: „Why do people hate you?“

Gute Frage.

Obama gab darauf eine sehr diplomatische Antwort, von der Art: „Das gehört zur Jobbeschreibung.“

Der kleine schwarze Junge wird indessen nie vergessen, wie cool er den Präsidenten fand. Was immer die Erwachsenen dazu meinten.