„I've taken a lot of "friendly fire" over this issue in this space, but will say once again: (1) there is no "news" in what Snowden has released given what has been covered in the press over the last 5-8 years. (2) The actual danger to civil liberties, based on what I've seen thus far, is pretty minimal as the very amount of metadata that's being gathered itself makes abuse less likely. (3) That being said, the lack of transparency by the government around these programs is disturbing and serves as fertilized potting soil for the tin-foil-hat-crowd. […]“
KOMMENTAR von User „TLM“ zum heutigen Artikel von Kevin Drum für die Online-Ausgabe von „Mother Jones“, Überschrift: „Edward Snowden Says He Could Destroy the NSA Anytime He Wants To“.
Sunday, July 14, 2013
Monday, July 8, 2013
Ein leeres Nest
Neben dem Bett, das mir beim Besuch meiner Schwiegerfamilie als Schlafstatt dient, sitzt ein ziemlich großer Teddybär. Das leicht ramponierte Plüschtier hat Schlappohren und entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schaf, was aber nichts daran ändert, dass es ziemlich verwaist aussieht. Obwohl es grinst. Die Nichte meines Mannes, der dieses Zimmer gehört, ist zum Studieren in eine andere Stadt gezogen, und Schmusetiere dürfen da nicht mit.
Fort. Ausgeflogen. Das ist der Lauf der Welt, sagt meine Schwägerin und hat natürlich recht – schließlich will keiner, dass der Nachwuchs den Absprung nicht schafft und für ewig im Kinderzimmer hocken bleibt. Die Nestwärme besitzt ein Verfallsdatum. Trotzdem: Dieses Jungmädchenzimmer, dessen Wände und Schranktüren mit Fotos tapeziert sind, stimmt mich schon ein wenig melancholisch.
Interessanterweise handelt es sich fast ausschließlich um persönliche Fotos, nicht etwa um Posters von Stars oder Sternchen. Bilder aus Kinderzeiten, mit Bruder und Schwester in Wanderkleidung vor Dolomitenspitzen. Ein Jugendbild der Mutter. Ein Bild des Großvaters mütterlicherseits, der vor ein paar Jahren verstarb – es muss ein schmerzlicher Verlust gewesen sein, denn die entsprechende Todesanzeige steht gerahmt auf dem Nachttisch. Gleich neben dem Wecker.
Die meisten Fotos zeugen von eher fröhlichen Zeiten: Das Hochzeitsfoto der Schwester, die ein paar Jahre älter ist, aber immer noch sehr jugendlich aussieht. Es ist eine wirklich schöne Braut. Schnappschüsse von Partys, auf denen sich junge Menschen die größte Mühe geben, cool auszusehen. Blödelbilder mit Freundinnen, die ein bunter Rahmen adelt. Der Bruder mit einem jungen Mann, der auch auf anderen Fotos zu sehen ist. Das muss der Freund sein.
Über dem Kopfende des Bettes hängen ein paar einzelne Fotos, mit Tesafilm an die Tapete geklebt. An einem davon steckt ein Papierfetzen, auf dem gekritzelt steht: „Schlaf schön mein Schatz.“ Ohne Komma. Ich schaue mir das Foto näher an und erkenne den als Freund identifizierten jungen Mann, der in einem Bett zwischen roten Kissen liegt und schläft. Und im Arm hält er, aber hallo, das plüschige Schaf. Genau das, das am anderen Ende des Bettes sitzt und dümmlich grinst.
Vielleicht behält sie wenigstens den Freund, und er darf ins Erwachsenenleben mitkommen.
Fort. Ausgeflogen. Das ist der Lauf der Welt, sagt meine Schwägerin und hat natürlich recht – schließlich will keiner, dass der Nachwuchs den Absprung nicht schafft und für ewig im Kinderzimmer hocken bleibt. Die Nestwärme besitzt ein Verfallsdatum. Trotzdem: Dieses Jungmädchenzimmer, dessen Wände und Schranktüren mit Fotos tapeziert sind, stimmt mich schon ein wenig melancholisch.
Interessanterweise handelt es sich fast ausschließlich um persönliche Fotos, nicht etwa um Posters von Stars oder Sternchen. Bilder aus Kinderzeiten, mit Bruder und Schwester in Wanderkleidung vor Dolomitenspitzen. Ein Jugendbild der Mutter. Ein Bild des Großvaters mütterlicherseits, der vor ein paar Jahren verstarb – es muss ein schmerzlicher Verlust gewesen sein, denn die entsprechende Todesanzeige steht gerahmt auf dem Nachttisch. Gleich neben dem Wecker.
Die meisten Fotos zeugen von eher fröhlichen Zeiten: Das Hochzeitsfoto der Schwester, die ein paar Jahre älter ist, aber immer noch sehr jugendlich aussieht. Es ist eine wirklich schöne Braut. Schnappschüsse von Partys, auf denen sich junge Menschen die größte Mühe geben, cool auszusehen. Blödelbilder mit Freundinnen, die ein bunter Rahmen adelt. Der Bruder mit einem jungen Mann, der auch auf anderen Fotos zu sehen ist. Das muss der Freund sein.
Über dem Kopfende des Bettes hängen ein paar einzelne Fotos, mit Tesafilm an die Tapete geklebt. An einem davon steckt ein Papierfetzen, auf dem gekritzelt steht: „Schlaf schön mein Schatz.“ Ohne Komma. Ich schaue mir das Foto näher an und erkenne den als Freund identifizierten jungen Mann, der in einem Bett zwischen roten Kissen liegt und schläft. Und im Arm hält er, aber hallo, das plüschige Schaf. Genau das, das am anderen Ende des Bettes sitzt und dümmlich grinst.
Vielleicht behält sie wenigstens den Freund, und er darf ins Erwachsenenleben mitkommen.
Monday, June 3, 2013
Himmel oder Hölle?
„Not so fast: Vatican says Pope Francis got it wrong, atheists do go to hell“
Kein Witz, sondern die ÜBERSCHRIFT eines Artikels von Cheryl K. Chumley in der „Washington Times“ vom 30. Mai. Erlösung gibt es auch in Zukunft nur für waschechte Katholiken, oder so. Trotzdem erfreulich, dass es wieder einmal einen Papst gibt, der auch Dinge sagt, die man im Vatikan nicht so gerne hört.
Kein Witz, sondern die ÜBERSCHRIFT eines Artikels von Cheryl K. Chumley in der „Washington Times“ vom 30. Mai. Erlösung gibt es auch in Zukunft nur für waschechte Katholiken, oder so. Trotzdem erfreulich, dass es wieder einmal einen Papst gibt, der auch Dinge sagt, die man im Vatikan nicht so gerne hört.
Wednesday, April 10, 2013
Die Achtziger-Amnesie
Im Film „(500) Days of Summer“ spielt die Band The Smiths eine wichtige Rolle: Die beiden Hauptfiguren, verkörpert von Joseph Gordon-Levitt und Zooey Deschanel, treffen sich im Aufzug; der junge Mann hört Musik, das Mädchen spricht ihn darauf an, trällert auch ein paar Takte mit („To die by your side is such a heavenly way to die“), und er ist hin und weg. Und mich ließ der Kinobesuch leicht verwirrt zurück: Obwohl mir die Melodie vage bekannt vorkam, war mir weder der Song noch die Gruppe ein Begriff. Das war erstaunlich, schien es sich dabei doch um allgemeines Pop-Kulturgut zu handeln. Wenigsten kannte ich den Namen von Sänger Morrissey, wie sich nach kurzer Recherche herausstellte. Der war mir allerdings eher wegen seiner politischen Aussagen im „Rolling Stone“ aufgefallen. Aber warum hatte ich die Band damals in den Achtzigern überhaupt nicht wahrgenommen?
Es kann natürlich sein, dass die auf Youtube oft parodierte (und einmal sogar mit Legofiguren nachgestellte) Aufzugsszene die Band bei Jüngeren erst richtig bekannt gemacht hat. Bei Brit-Rock-Fans meines Alters liegen die Dinge schon anders. „(500) Days of Summer“ lief im Jahr 2009, und seither habe ich gelegentlich über diese popkulturelle Gedächtnislücke den Kopf geschüttelt. Diese Woche habe ich nun endlich kapiert, warum The Smiths bei mir nie auf dem Radar aufgetaucht waren. Das wurde mir klar, als ich nach Tod von Margaret Thatcher am 8. April Morrisseys Nachruf las: eine letzte Abrechnung. Der Musiker bezeichnet die Politikerin darin als „a terror without an atom of humanity“.
Diese und ähnliche Nachrufe lassen mich frösteln. Ich erinnere mich jetzt wieder, wie das war, in den Achtzigern, als ein scharfer Wind von der Insel wehte, und die soziale Kälte langsam in alle Ritzen und Winkel kroch. Wir sehnten uns nach Wärme und Sonne und fuhren nach Möglichkeit in den Süden, wo wenigstens das Wetter erträglich war. Was damals aus Großbritannien kam, wurde einfach ausgeblendet – das galt für die eiserne Lady, die weder für die Kunst im Allgemeinen noch für Popmusik im Besonderen etwas übrig hatte, ebenso wie für ihre Kritiker. „The Final Cut“ von 1982 ist bis heute das Pink-Floyd-Album, das mich am wenigsten interessiert hat. Und wen ich vorher nicht kannte, habe ich gar nicht wahrgenommen, wie ich jetzt weiß.
Dass Maggie Thatcher mit Betonfrisur und Handtasche im Anschlag durchregieren konnte, lag daran, dass sie demokratisch gewählt und anschließend zwei Mal im Amt bestätigt wurde. Jetzt ist sie tot, und die Geschichte wird über sie urteilen. Posthumer Hass ist idiotisch.
Es kann natürlich sein, dass die auf Youtube oft parodierte (und einmal sogar mit Legofiguren nachgestellte) Aufzugsszene die Band bei Jüngeren erst richtig bekannt gemacht hat. Bei Brit-Rock-Fans meines Alters liegen die Dinge schon anders. „(500) Days of Summer“ lief im Jahr 2009, und seither habe ich gelegentlich über diese popkulturelle Gedächtnislücke den Kopf geschüttelt. Diese Woche habe ich nun endlich kapiert, warum The Smiths bei mir nie auf dem Radar aufgetaucht waren. Das wurde mir klar, als ich nach Tod von Margaret Thatcher am 8. April Morrisseys Nachruf las: eine letzte Abrechnung. Der Musiker bezeichnet die Politikerin darin als „a terror without an atom of humanity“.
Diese und ähnliche Nachrufe lassen mich frösteln. Ich erinnere mich jetzt wieder, wie das war, in den Achtzigern, als ein scharfer Wind von der Insel wehte, und die soziale Kälte langsam in alle Ritzen und Winkel kroch. Wir sehnten uns nach Wärme und Sonne und fuhren nach Möglichkeit in den Süden, wo wenigstens das Wetter erträglich war. Was damals aus Großbritannien kam, wurde einfach ausgeblendet – das galt für die eiserne Lady, die weder für die Kunst im Allgemeinen noch für Popmusik im Besonderen etwas übrig hatte, ebenso wie für ihre Kritiker. „The Final Cut“ von 1982 ist bis heute das Pink-Floyd-Album, das mich am wenigsten interessiert hat. Und wen ich vorher nicht kannte, habe ich gar nicht wahrgenommen, wie ich jetzt weiß.
Dass Maggie Thatcher mit Betonfrisur und Handtasche im Anschlag durchregieren konnte, lag daran, dass sie demokratisch gewählt und anschließend zwei Mal im Amt bestätigt wurde. Jetzt ist sie tot, und die Geschichte wird über sie urteilen. Posthumer Hass ist idiotisch.
Saturday, April 6, 2013
Bitte mit Widmung
Meine Schwester und mein Schwager haben sich zu meinem runden Geburtstag etwas einfallen lassen. Ein Buch, natürlich, das kommt immer gut an und lässt sich am einfachsten verschicken. Damit das Geschenk auch wirklich ankommt. Aber wie wird daraus etwas Besonderes? Richtig, durch eine Widmung. Ich nehme an, noch vor dem Buchkauf überlegten sich die beiden, wer dafür wohl in Frage käme. Sie entschieden sich dann für einen gewissen empirischen Kulturwissenschaftler aus Tübingen.
„Ursprünglich sollte ja der Papst ein Grußwort zu Deinem Geburtstag schreiben“, lauteten die launigen Glückwünsche dazu, „aber nach dessen beruflicher Umorientierung ist Hermann Bausinger persönlich eingesprungen...“ Das lassen wir für diesmal gelten.
Nun ist der gute Professor Bausinger Jahrgang 1926 und seit zirka zwanzig Jahren emeritiert, aber er hat offenbar sein Zimmer in der Außenstelle des Ludwig-Uhland-Instituts behalten, und er empfängt auch immer noch zur Sprechstunde nach Vereinbarung, wie aus der Website der Universität hervorgeht. Es war also nicht allzu kompliziert, ihn aufzustöbern. Wie ich von meiner Mutter erfahren habe, kam Bausinger dem Widmungs-Wunsch in einer seiner Sprechstunden gerne nach, wurde aber vorsorglich noch mit einer Pralinenschachtel oder dergleichen bestochen. Ich habe zwar nie bei ihm studiert, im Gegensatz zu einigen ehemaligen Kollegen bei der Zeitung, war ihm aber wohl vom Namen her vage ein Begriff. „Hier sind die Berge, die Ihnen fehlen...“ schrieb er in das Bändchen „Albgeschichten“, das er mit herausgegeben hat. Da hat er wohl gegoogelt, denn dass ich die Berge vermisse, steht irgendwo in einer Bio.
Seit wann kenne ich eigentlich Bausinger? Wie gesagt, ich habe nie einen Kurs bei ihm belegt, höchstens einmal einen Vortrag von ihm gehört. Aber ich weiß genau, ich war einmal bei einer Pressekonferenz im Ludwig-Uhland-Institut, dessen Direktor er damals war, im Haspelturm des Schlosses. Nur, wie konnte das überhaupt sein? Bei der Zeitung fiel die Uni nämlich nicht in meinem Zuständigkeitsbereich, und zwar grundsätzlich nie. Es muss also noch in der Zeit beim Radio gewesen sein, als ich meine ersten journalistischen Schritte unternahm. Und tatsächlich, irgendwann fiel es mir ein, denn ich habe noch das Buch, das damals vorgestellt wurde: eine Untersuchung zur Partykultur der Fünfziger. Jawohl. Über Spießer und Cocktailspieße.
Nun, jedenfalls weiß ich mit Bestimmtheit, wann ich den Professor zum letzten Mal persönlich getroffen habe: Das war beim Konzert von Titi Winterstein in der Rottenburg-Oberndorfer Kulturgarage. Damals saß Bausinger direkt hinter mir. Wie andere Nebensächlichkeiten habe ich mir das nur gemerkt, weil die ganze Veranstaltung so unglaublich war – der Jazzgeiger in einer ehemaligen Busgarage! Die Fußnote einer Erinnerung. Aber das ist nun auch schon gute zehn Jahre her.
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